Kritik | Pure Football
Im Vorfeld des Releases zu Pure Football wurde vor allem eines versprochen: in diesem Spiel sollte es Fußball in seiner reinsten Form geben. Intensiv, hart, aber fair, lautet das Motto. Keine gelben oder roten Karten, nicht elf Spieler in einer Mannschaft, sondern nur fünf. Im Gegensatz zu den großen Games in diesem Genre, Fifa und Pro Evolution Soccer, setzt Pure Football nicht auf Realismus und ist eher ein Konkurrent für Fifa Street 3.
Das Spielprinzip
Die Steuerung fällt recht simpel aus. Es gibt jeweils eine Taste für Steilpass, Gewaltschuss, Pass in den Lauf sowie eine für einen hohen Pass bzw eine Flanke. In der Defensive sind diese Tasten mit Sliding, Tackling, Pressball, Torwart, Angriff und Zweiter Verteidiger (um den Gegenspieler zu doppeln) belegt. Nach 1-2 Spielen dürfte sie sich jeder eingeprägt haben. Das Besondere an diesem Spiel sollte die Pure Anzeige sein. Diese füllt sich durch Tricks und Schüsse, die nicht ins Tor gehen. Ist sie gefüllt, könnt ihr den “Pure Schuss” abgeben. Dieser ist sehr viel härter als ein normaler Gewaltschuss, kommt zudem präziser. Selbst wenn der Ball gerade auf den Torwart zufliegt, kann dieser ihn meist nur nach vorne abprallen lassen. Immer wenn man etwas Freiraum hat, sollte man also herumtricksen, um die Leiste zu füllen. Die gegnerischen Verteidiger sind verdammt aggressiv und hart in den Zweikämpfen, so wird man am Anfang viele Bälle verlieren. Nach einer Zeit gewöhnt man sich daran und hat den richtigen Rhythmus gefunden, wann und wohin man passen muss, um den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Eine weitere Besonderheit ist, dass nur ganz harte Fouls gepfiffen werden, wie zum Beispiel ein Einstieg von hinten in die Beine. Umgehend gibt es einen Elfmeter, egal, wo das Foul stattgefunden hat. Das ist allerdings extrem nervig. Warum kann es nicht einfach einen Freistoß geben, wenn der Gegner im Mittelfeld zu Fall gebracht wird? Besonders nervtötend ist, dass zum Teil leichtes Einsteigen als Elfmeter gewertet wird. Auch eher gewöhnungsbedürftig ist die Kameraperspektive aus der Schulterperspektive, diese fällt allerdings nicht so negativ ins Gewicht wie die ständigen Elfmeter. Gut gelungen sind dagegen die Ecken. Hier geht es darum, im richtigen Moment den angezeigten Knopf zu drücken. Ist zwar recht simpel, macht dennoch Spaß. Die taktischen Möglichkeiten sind extrem eingeschränkt, so könnt ihr euer Team nur defensiv, offensiv oder ausgeglichen einstellen.
Frischer Kampagnenmodus
Ein großes Plus bei Pure Football ist ohne Frage der Kampagnenmodus. Als Erstes erstellt ihr euren Kapitän, den Mann, der die Mannschaft führen soll. Nachdem ihr Position und Aussehen festgelegt habt, macht ihr euch an die Farben der Trikots, den Namen der Mannschaft, zudem könnt ihr das Vereins- Logo auswählen. Der Kapitän ist immer aufgestellt, die restlichen 4
Spieler setzen sich am Anfang aus unbekannten Spielern zusammen. Doch mit diesen könnt ihr keinen Blumentopf gewinnen, deshalb müsst ihr bei verschiedenen Events antreten, um Spieler der gegnerischen Mannschaften freizuschalten. Für jeden Spieler gibt es eine bestimmte Aufgabe. Wenn ihr den Ivorer Salomon Kalou freischalten wollt, müsst ihr zum Beispiel 2 Tore mit einem Pure Schuss erzielen, danach könnt ihr ihn im nächsten Spiel aufstellen. Für jeden Fußballer gibt es andere Herausforderungen und durch eben diese wird eure Mannschaft nach und nach mit besseren Spielern bestückt sein. Vom Loser Team zur Weltklassemannschaft sollte es im besten Falle lauten. Auch die oben bereits angesprochenen Events sind relativ abwechslungsreich. So gibt es einmal das K.O. Turnier, das Erster-Mit-Spiel (das erste Team mit einer vorgeschriebenen Anzahl von Toren gewinnt) oder das Spiel auf Zeit. Euer selbst hergestellter Spieler kann sich natürlich auch verbessern. Ihr gewinnt Fähigkeitspunkte, diese ordnet ihr ihm dann zu. Wenn ihr gute Spieler freischaltet und viele Spiele gewinnt, solltet ihr euer Team schon bald an der Weltspitze finden.
Grafik? Durchschnitt – aber die schönsten Plätze Europas
Die Grafik ist wie erwartet nicht der große Renner. Die Spieler sind comicmäßig dargestellt, Fußballfans sollten ihre Idole dennoch erkennen können. Schön geworden sind dagegen die Plätze und vor allem sind sie abwechslungsreich. Ihr spielt in Fabriken, in einem Glashaus in Liverpool, in der schönen Hafenstadt Marseille oder in Barcelona. So wird das Spiel nie wirklich eintönig. Auf dem Fußballplatz läuft eine schon fast kriegerische Musik, die wohl eher Spannung aufbauen und dadurch die Bolzplatzatmosphäre unterstreichen soll. Zudem kommen ständige Zwischenrufe wie “Hier her” oder “Ich bin frei”. Diese nerven mit der Zeit ein bisschen. Die Musik im Menü ist ebenfalls nichts Besonderes und wirkt an einigen Stellen etwas lieblos zusammengestellt.
Fazit
Pure Football hat einige positive Momente, zeigt aber auch viel Schatten. Irgendwie hat es Ubisoft nicht wirklich geschafft, so eine richtig schönes Bolzplatzspiel zu entwickeln. Einerseits setzt man nicht auf Realismus, aber will trotzdem nicht so unrealistisch sein wie Fifa Street 3. Aber die richtige Mitte wurde nicht gefunden. Negativ auffallend sind die in Masse gepfiffenen Elfmeter, die Kameraperspektive, sowie die Grafik. Zusammen mit Freunden macht dieses Spiel mit Sicherheit Spaß, ansonsten wird wohl nur der gelungene Kampagnenmodus den Einzelspieler einige Zeit fesseln. Bei dem dennoch sehr fairen Preis und da die meisten dank der WM sowieso dem Fußballfieber verfallen sind, kann man sich das Spiel auch ohne Probleme mal zulegen. Leuten, die eher auf Realismus stehen, würde ich EAs Fifa Fussball Weltmeisterschaft 2010 Südafrika empfehlen.





