Kritik | FIFA 11
Herbst bedeutet Fußballzeit. Nicht nur in den Ligen dieser Welt rollt wieder der Ball, auf den Konsolen wird mit dem ewigen Duell Fifa vs. PES eine weitere Saison eingeleitet. Bei den bisherigen Verkaufszahlen liegt das Game aus dem Hause EA Sports im Jahr 2010 vor dem Konkurrenten, was wohl damit zusammenhängt, dass zig Veränderungen angekündigt wurden. Ob dem wirklich so ist und ob die Neuheiten auch Sinn machen, lest ihr jetzt, denn wir haben “Fifa 11″ für euch getestet.
Wie spielt es sich?
EA Sports wurde in der Vergangenheit oft dafür kritisiert, nicht genug Realismus in seine Fußballspiele einzubauen. Jeder Pass kam an, die gegnerische Verteidigung wurde mit wenigen Zügen ausgehebelt und übertrieben torreiche Ergebnisse waren keine Seltenheit. Hat sich da nun endlich etwas getan? Und wie! Man hat fast das Gefühl, die K.I. der Mit- und Gegenspieler wurde komplett erneuert. Die Räume werden eng gemacht, sodass an einfaches Passspiel nicht zu denken ist, außerdem geht die Verteidigung wesentlich härter zur Sache, bleibt hartnäckig und verhindert lässige Dribblings in den Strafraum. Hat man es dann doch endlich einmal vors Tor geschafft, wartet eine weitere Hürde: der Torwart. In “Fifa 11″ sind auch die Keeper deutlich stärker geworden und parieren so manchen Schuss. All dies ist dafür verantwortlich, dass der allgemeine Spielablauf wesentlich Taktik orientierter und damit lebensechter von statten geht und schon die niedrigeren Schwierigkeitsgrade viel mehr fordern als in den Fifa-Generationen der letzten Jahre.
Klingt so, als wären die Wünsche der Fans erhört worden, wenn man das Ganze aber mal genauer betrachtet, ist nicht alles Gold, was glänzt. Dadurch, dass die gegnerischen Teams nun deutlich besser sind – auch individuell – kommt es nicht selten vor, dass ein Spieler, der in echt nicht mehr als Mittelmaß ist, locker flockig durch eure Verteidigung marschiert und gleich mit seinem ersten Schuss einen Treffer landet. Da die Schiedsrichter in “Fifa 11″ teilweise sehr kleinlich pfeifen, muss obendrein gleich zweimal überlegt werden, wie hart man in den Zweikampf einsteigt. Auf der anderen Seite entstehen gerne mal Probleme, wenn man Zweitliga-Mannschaften bzw. etwas schwächere Teams auswählt und damit spielt. Dass die natürlich nicht die Klasse der Top-Clubs haben ist klar und natürlich auch gut so, doch wenn es selbst an einfachen Dingen wie Kurzpässen scheitert, fragt man sich doch schnell, ob dies wirklich eine Simulation von Profi-Fußball ist. Generell fällt das Pass-System nicht besonders gut aus, da viele Bälle da ankommen, wo der Computer sie hinschickt, aber nicht da, wo man sie selbst gerne haben möchte. Da hilft nur eins: Passhilfe, oder am besten gleich alle diversen Unterstützungen ausschalten. Zwar werden am Anfang viele Aktionen erfolglos bleiben und für Frust sorgen, sobald man die Systematik ausgecheckt hat und alles so abläuft, wie man es sich ausgedacht hat, wird man schnell Begeisterung für die sich nun ergebenden Möglichkeiten empfinden. Für all die, die mit der Steuerung so ihre Probleme haben, gibt es hilfreiche Tutorial-Videos, die nicht nur Einsteigern zu empfehlen sind.
What’s New?
Für all diejenigen, die sich nicht jedes Jahr die neueste Ausgabe kaufen, stellt sich immer eine Frage: Hat sich so viel verändert, dass es sich lohnt? Und in der Tat gibt es doch viele Unterschiede zu “Fifa 10″. Die meiste Aufmerksamkeit gilt wohl dem “Be A Goalkeeper” Modus und dem neu eingeführten “Personalty +”, das die wichtigsten Eigenschaften von über 1000 der bekanntesten Fußballern ins Game übertragen soll und damit noch realistischer zu machen. Um es kurz zu machen: Sonderlich viel spürt man davon nicht. Sicher, es fällt zwar auf, dass einem Dribbling-Ass wie Franck Ribery auch in “Fifa 11″ der geschmeidige Umgang mit dem Ball leichter fällt als so manch anderem und auch die, die in Wirklichkeit einen guten Schuss haben, haben den auch im Spiel, aber dass dies nun wirklich großen Einfluss auf das Spielgeschehen hat, kann man nicht sagen. Insgesamt ein nettes Feature, dem aber der “Wow-Effekt” fehlt. Wer sich immer schon einmal gewünscht hat, auch virtuell die Position des Torhüters einzunehmen, hat dank “Fifa 11″ und “Be A Goalkeeper” nun endlich die Möglichkeit dazu. Ähnlich wie in “Be A Pro” übernehmt ihr dabei die Rolle von nur einem Spieler auf dem Platz, eben die des Keepers. Die Steuerung ist wie beim genannten Pendant anfangs recht gewöhnungsbedürftig, klappt aber bald recht gut und entschärfen von Schüssen fällt dann nicht mehr sonderlich schwer. Dumm ist nur, dass man eben nichts machen kann, außer ständig darauf zu warten, dass ein Angriff aufs eigene Tor erfolgt, denn sonst wird es leider ziemlich langweilig. Für kurzen Spaß dient diese Funktion zwar definitiv, doch auf lange Sicht bietet dieser Modus einfach zu wenig.
Das Elfmeterschießen wurde im Vergleich zu “Fifa 10″ auch ein wenig modifiziert, nun reicht es nicht mehr aus, einfach nur auf die richtige Schussstärke zu achten, sondern auch das korrekte Timing ist wichtig, außerdem kann der Anlauf verzögert werden. Da wurde aus dem doch sonst sehr eintönigen Szenario wirklich einiges rausgeholt. Ähnlich wie in anderen EA Sports Titeln (z.B. “NHL 11″) können im “Creation Center” auf www.easportsfootball.de neben eigenen Fußballern auch komplette Teams inklusive Trikots und Logo erstellen und dann ins Spiel importieren. Außerdem gibt es jetzt endlich die Möglichkeit, seine eigenen Songs von der Festplatte im Spiel zu verwenden und muss sich nicht auf den mitgelieferten Soundtrack verlassen. Das Tolle daran: Einzelne Lieder können sogar diversen Fußballstadien zugeordnet werde. Wer also eine bessere Idee für die Einlaufmusik seines Lieblingsvereins hat, kann sie hier wahr werden lassen. Natürlich war das noch nicht alles, weitere Neuerungen besprechen wir bei den Spiel-Modi und der Präsentation.
Spiel-Modi
“Be A Goalkeeper” und “Be A Pro”, die einen direkt auf den Platz versetzen, wurden ja bereits angesprochen, ansonsten gehört natürlich das “Freundschaftsspiel” ins Aufgebot eines jeden Fußball-Games. Bis zu 7 (!) Spieler können vor der Konsole sitzen und gemeinsam zocken, das ist doch mal was! Aus älteren Fifa Teilen wissen wir, dass es Pokal-Wettbewerbe gab, allerdings fehlte damals die Lizenzen und damit die offiziellen Titel. Dies ist bei “Fifa 11″ anders. Die Serie ist ja bekannt dafür, der Lizenz-König unter den Fußball-Games zu sein, ab dieser Saison sind in “Turniere” neben dem Erstellen von eigenen Cups die originalen Pokale vorhanden, lediglich auf WM und EM muss wieder einmal verzichtet werden, aber das liegt eher an der Marketing-Strategie von EA, die ja bekanntermaßen dafür extra Spiele auf den Markt bringt. Den “Karrieremodus” kennt der ein oder andere sicher aus der Vergangenheit, allerdings wird in “Fifa 11″ nicht nur das Begleiten seines Managers angeboten, dieses Mal kann man sich entscheiden, ob man anstatt im Chef-Sessel zu sitzen lieber als Trainer oder als Spieler seinen Weg in bis zu 15 Saisons gehen möchte. Je nach Wahl des Berufes kommt es dabei natürlich auf andere Dinge an, um nicht seinen Job zu verlieren, im Endeffekt zählt aber immer das Gleiche, nämlich Siege. Wer nicht ganz so viel Zeit in ein Ziel investieren will, der ist mit der “Live-Season”, in der via Internet Transfers, Verletzungen, Ergebnisse, etc. ins Spiel übertragen werden, bestens bedient. Bei diesem Punkt kommen wir gleich zum Online-Multiplayer Modus. Einfach nur eins gegen eins scheint heutzutage wohl nicht mehr auszureichen, mit gleich 21 Mitspielern kann ab sofort gegen- und miteinander angetreten werden, egal ob in einzelnen Partien oder auch in eigenen Ligen. “Fifa 11″ geht also durchaus auch als Gesellschaftsspiel durch.
Optisch hat sich leider nicht viel getan. Selbstverständlich haben alle Vereine ihre aktuellen Trikots und es sind auch ein paar original Fußballergesichter mehr mit dabei, im Großen und Ganzen befindet sich “Fifa 11″ auf dem selben Niveau des Vorgängers. Besonders bei den langweiligen und emotionslosen Fans wär es doch langsam mal Zeit, zumindest ein paar schwenkende Fahnen einzubauen – das bleibt wohl Wunschdenken! Dafür hat sich bei den Bewegungen und Animationen einiges getan. Mit der aktuellen Fifa-Ausgabe ist man wieder etwas näher an die Realität gerückt, sogar Stürze oder verstolpern des Balles sieht mittlerweile echt toll aus, in Kombination mit dem neuen Jubel steigert das den eigentlichen Spaß doch gleich noch um ein Stück. Auch die Fangesänge dienen der Atmosphäre, etwas mehr Emotion und Lautstärke hätten allerdings nicht geschadet. Was die Umweltgeräusche angeht, so gibt es auch hier kaum Neues im Vergleich zu “Fifa 10″. Definitiv neu sind die Kommentatoren, in dieser und wohl auch noch so mancher zukünftigen Saison sind Manni Breukmann und Frank Buschmann aus der Sprecherkabine zu hören. Als Glückgriff kann man die beiden nicht bezeichnen. Zum Einen haben sie viel zu wenige Sprüche auf Lager und wiederholen sich am laufenden Band, zum Andern wird pausenlos versucht witzig und originell anstatt einfach sachlich zu sein, was nach kurzer Zeit richtig lästig und nervig wird. Kleiner Tipp: Einfach mal die Kollegen aus England einstellen, deren Kommentar macht all das richtig, was Manni Breukmann und Frank Buschmann versemmeln. Das Menü wirkt aufgeräumt und übersichtlicher als zuvor, während der Ladezeiten sorgt der bewährte “Arena-Modus” für Ablenkung zwischendurch.
Fazit
“Fifa 11″ macht vieles besser als die letztjährige Ausgabe, ist aber immer noch ein gutes Stück davon entfernt, die perfekte Fußball-Simulation zu sein. Einige dürften zwar ihre Schwierigkeiten mit dem neuen Gameplay haben, was aber wohl einfach nur an der Gewohnheit liegt, dem Großteil werden die Veränderungen garantiert zusagen. In diesem Jahr ist es genau deshalb besonders knifflig zu entscheiden, ob nun “Fifa 11″ oder “Pro Evolution Soccer 2011″, am Ende werden wohl Bauchgefühl und Erfahrung mit den älteren Versionen ausschlaggebend für den Kauf sein.







