Kritik | Sniper: Ghost Warrior
Sniper: Ghost Warrior machte nach den Ankündungstrailern auf jeden Fall Lust auf mehr. Zwischen Hits wie Battlefield: Bad Company 2 und den kommenden COD: Black Ops und Medal of Honor habe ich diesen Titel als Überaschungshit erwartet. Nun darf ich endlich testen ob wirklich so scharf geschossen wird wie angekündigt.
Sofort beim Einstieg werde ich bitter enttäuscht: Was ist hier los? Ist das eine Beta-Version die ich da für den Test bekommen habe? Überall flimmern hässliche Schatten in der Gegend herum. Pflanzen wachsen nicht aus dem Boden sondern versinken dank grober Clipping-Fehler im Boden. Sogar aus Mauern heraus wehen irgendwelche Büsche in der Luft herum… matschige Texturen und steifes Charakterdesign… das war mein erster Eindruck. Ganz so schlimm ist Sniper: Ghost Warrior im Großen und Ganzen dann doch nicht, die Umgebungen entwickeln sich und ihr könnt durchaus hübsche und atmosphärische Schauplätze erleben.
General Vasquez und die Isla Trueno
Jetzt kommen wir erst einmal zur Story, die nicht viel Neues bietet aber für ein Scharfschützen-Spiel genug Stoff bietet. Dort sind wir als Scharfschütze Tyler Wells unterwegs um auf der Insel Isla Trueno den Drogenbaron General Vasquez aufhalten. Er verhandelt mit Terroristen und versucht dadurch seine Macht zu steigern und mit Drogengeschäften seinen kleinen Krieg zu finanzieren. Die USA ist damit nicht unbedingt einverstanden und schickt unsere Spezialeinheit auf die Insel um diesem kriegerischen Treiben ein Ende zu setzen. Die Synchronstimme unseres Protagonisten dürfte einigen Filmliebhabern bekannt sein und verleiht dem Held eine gewisse Sympathie und oft auch mal eine kleine Portion Humor.
Realistisch? – Nicht wirklich
Wenn wir durch das Fernrohr des Sniper-Gewehrs schauen bekommen wir sofort Puls, Windgeschwindigkeit und –richtung angezeigt. Im leichten Schwierigkeitsmodus wird uns wenigstens durch einen kleinen roten Punkt angezeigt wo der Schuss einschlagen wird, ansonsten müssen wir uns durch die Anzeigen weiterhelfen. Realistisch ist eigentlich nur die Vorgehensweise: Um effektiv und erfolgreich vorzugehen muss man sich immer wieder günstige Schusspositionen suchen. Anders sind wir sowieso bei höheren Schwierigkeitsgraden verloren, da uns die KI sogar oft durch Felsen und Hindernisse hindurch sieht. Des Weiteren ist die KI einfach nur unfair und nicht sehr gut programmiert, denn selbst ohne Deckung sind sie uns in Treffsicherheit weit überlegen und beschießen uns bevor wir sie überhaupt sehen können. Ein kürzlich angekündigter Patch soll diese Probleme angeblich beheben. Für die PC-Version kann man das Update bereits über Steam runterladen, auf der Xbox 360 soll es in Kürze folgen.
Unter anderem hat man das KI-System des Spiels überarbeitet. Der Spieler soll nun nicht mehr so leicht vom Gegner zu entdecken sein, insbesondere über größere Distanzen. Ebenso sollen sich die Kontrahenten nun in den Kämpfen besser verhalten. Insgesamt hat man nach eigenen Aussagen 95% der statischen KI-Skripte mit dem neuen und verbesserten Stealth-System ersetzt. Wir werden sehen ob das der Wahrheit entspricht. Aber weiter zum angekündigten Realismus: Nein, auch beim Schießen selbst erfahren wir kaum Realismus.
Anstatt nur die Luft anhalten zu können wir sogar per Knopfdruck die Zeit verlangsamen und eine Art „Bullet-Time“ hervorrufen. So ist es möglich viele Gegner gleichzeitig oder kurz hintereinander perfekt ins Grab zu befördern. Bei Headshots werden wir mit einer gut umgesetzten Projektil-Flug-Sequenz und einem Blutspritzer belohnt. Das macht Spaß, aber nicht auf Dauer.
Multicamping
Sobald man einem Multiplayer-Spiel über den Serverbrowser beitritt, darf man sich zwischen vier Klassen auswählen. Alle vier Klassen besitzen ein Scharfschützengewehr und deshalb artet das Multiplayergefecht auch in ein „Warten und Suchen“ aus. Man hält sich versteckt, sucht den Gegner und muss präzise schießen, das war’s. Es läuft also alles auf das Prinzip „Wer ist der beste Camper?“ hinaus.
Grafikengine die täuscht
Die Chrome 4 Engine von Entwickler Techland gibt Sniper: Ghost Warrior einen eigenen Look. Wie ich oben schon beschrieben habe kann der erste Eindruck aber erschreckend sein. Clipping-Fehler ohne Ende und richtig hässliche Schatten, von pixelig kann man da nicht mehr reden, da die Schatten in grobe Quadrate eingeteilt sind. Ich muss aber sagen, dass es im weiteren Verlauf des Spiels richtig schöne Landschaften zu sehen gibt, in denen der Schatten Gott sei Dank keine große Rolle mehr spielt. Dabei schleicht man sich durch wunderschöne Lagunen und an Berg-Seen entlang oder darf sich im tropischen Regen durch den Dschungel kämpfen. Die HDR und Wassereffekte sehen gut aus, und in einem Level wehen sogar die Palmen im Mondschein, das macht einiges her und fühlt sich fast besser an wie bei Far Cry. Leugnen kann man aber bei Sniper: Ghost Warrior nie, dass die üppige Vegetation größtenteils unnatürlich aus dem Boden „clippt“.
Fazit
Schade, Sniper: Ghost Warrior enttäuscht vom ersten Augenblick an. Nur eine neue Idee und eine Grafikengine die üppige Landschaften darstellen kann reichen eben nicht. Das Spiel wirkt unfertig und man spürt das niedrige Budget das die Entwickler zur Verfügung hatten. Feinschliff an der Grafik und eine bessere und vor allem nicht so unfaire KI hätten das Spiel enorm aufgewertet (Die KI soll aber wie gesagt durch einen Patch enorm verbessert werden). So bleibt aber nur ein mittelmäßgier Ego-Shooter der an wenigen Stellen überzeugen kann.





