Kritik | Singularity

16. Juli 2010 | 0 Kommentare
Titel:
Singularity
Redaktions-Wertung:
Publisher:
Activision
Plattform:
Xbox360, PS3, PC
LeserInnen-Wertung:
Release:
24.06.2010
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Genre:
USK:
keine Angaben

Russen, Amerikaner, kalter Krieg, ein Element das Mutationen und Zeitverschiebungen auslöst… hört sich irgendwie mehr als vertraut an. Die Rede ist von Singularity, dem neuen Ego-Shooter von Raven Software. Mal schauen was sie daraus gemacht haben und ob so ein ausgelutschtes Konzept noch aufgeht.

Im Vorspann sieht man wie die Sowjets in den 50ern ein neues chemisches Element finden das sie E99 nennen. Damit lassen sich unvorstellbare Energien freisetzen. Dieses Element ist natürlich extrem gefährlich und sehr flüchtig. Mutationen und Zeitverschiebungen können bei der Freisetzung entstehen. Ein Experiment mit diesem neuen Element wird abgebrochen. Erst im Jahr 2010 werden ungewöhnliche Radioaktivitäten auf einer Insel registriert, weswegen die Amerikaner ein Team auf diese schicken. Es passiert das unvorhersehbare: Unser Held gerät in eine Zeitverzerrung und wird kurz zurück ins Jahr 1955 katapultiert. Dort retten wir eine bedeutende Person, womit wir die Geschichte verändern. Das Ziel ist es nun diesen Fehler wieder auszumerzen. Leider ist das Grundsetting auch hier wieder: Amerikaner gegen Russen. Dieses Konzept ist aber so abgedroschen dass es der Mehrheit der Zocker wohl nicht mehr gefallen dürfte. Genau deshalb sollten sich einige Spieleproduzenten etwas mehr Gedanken machen.

Die Insel der Mutanten

Nachdem unser Hubschrauber durch eine Energie-Explosion abgestürzt ist wachen wir an der Küste auf und begeben uns auf die Suche nach E99. Das Setting ist schön düster und das Meer funkelt im Mondlicht. Die Atmosphäre ist geheimnisvoll und durch Grafik und Sound gut unterstützt.
Der  50er Jahre-Stil wird durch die ersten Gebäude deutlich. Der erste Mutant begenet uns in einem zerfallenen Haus, den wir mit der soeben gefundenen Pistole niederstrecken. Gleich fällt auf dass die Trefferzonen der Gegner schön differenziert wurden und somit auch der Gewaltgrad relativ hoch ist. Mutanten können sogar Gliedmaßen abgeschossen werden, was sie aber nicht daran hindert sich weiter fort zu bewegen. Singularity erinnert von Beginn an durch die Atmosphäre und den Story-Einstieg an Timeshift und Bioshock.

Nach anderthalb Stunden wird’s endlich interessant, denn wir finden das ZMG – die Abkürzung steht für das unkreativ benannte „Zeitmanipulationsgerät“. Oh Wunder, die Zeit kann damit manipuliert werden. Spektakulär ist aber doch die damit mögliche Altersveränderung: Eine zerfallene Brücke kann wieder aufgebaut werden, oder ein Stromkasten, der durch Wiedererneuerung eine verschlossene Tür öffnet – und aus einem Gegner ein Wölkchen Asche wird. Mit einer weiteren Funktion darf man später Zeitblasen erzeugen, in der Gegner kurz festfrieren oder rotierende Riesenventilatoren zum Stillstand gebracht werden.

Das Ganze legt natürlich auch kleinere Rätsel nahe. Ein kleines Beispiel: Ein Rolltor ist nur einen kleinen Spalt breit offen und unser Held kann sich natürlich nicht unten durch quetschen. Also nehmen wir uns eine Kiste her, lassen sie altern, damit sie in sich zusammenbricht, legen sie unter das Tor und verjüngen sie wieder. Dadurch wird das Tor aufgedrückt und wir können drunter durch kriechen. Mehr zum Nachdenken gibt es allerdings nicht in Singularity. Das ZMG erinnert aber auch an die Gravity Gun aus Half-Life 2, da man Objekte damit greifen und umherwerfen kann. Explosive Fässer werden dadurch zu unseren persönlichen Bomben.

Oldschool

Singularity fühlt sich wie ein Shooter aus dem Jahre 2000 an. Das Leveldesign ist strikt linear und immer genau ein Weg führt zum Ziel. Zum Ende tauchen plötzlich Entscheidungsmöglichkeiten auf, die so auch nicht mehr nötig gewesen wären. Es wurden so ziemlich alle schon einmal dagewesenen Spielelemente eingebaut, aber leider haben es nur zwei Bosskämpfe ins Spiel geschafft. Selbst diese reissen einen nicht vom Hocker. Man hat also alles irgendwo schon einmal gespielt. Der WOW-Effekt bleibt also letztendlich aus. Die Spielzeit liegt bei ungefähr sechs bis sieben Stunden, ist daher für einen Standard-Shooter normal. Die Unterhaltung ist gut, dennoch hätte man sich etwas kreativere Ideen oder Spielabläufe gewünscht. Raven Software weiß, wie man solide Ego Shooter entwickelt, das spürt man.

Unreal Engine – mal wieder

Dank der Unreal Engine gibt es an der Grafik nicht viel zu meckern, nur wirkt sie leider zu wenig eigenständig, was jedoch das Problem vieler Spiele auf Basis dieser Engine ist. Effekte sehen nett aus, vor allem der Regen der hin und wieder auftaucht und seine Pfützen hinterlässt. Die Alterungsprozesse und Zeitsprünge wirken größtenteils spektakulär und sind das Highlight des Spiels. Beleuchtung und Lichteffekte sind ebenfalls schön anzusehen, Mondschein an der Küste, Feuer dass die Luft zum flimmern bringt usw. Das Leveldesign ist ebenfalls gut umgesetzt. Singularity macht also optisch einen guten Eindruck und läuft stabil ohne Framerateeinbrüche oder Tearing, so wie es sein soll. Sound und Musik passen zum Spiel und unterstützen die Atmosphäre, jedoch gehen die ewigen russischen Akzente langsam auf die Nerven, diese tauchen momentan in fast allen Shootern auf. Mal wieder ein Negativpunkt für die deutschen Spieler: Geschnittene Cutscenes und entschärftes Gameplay. Einige wenige Waffen verlieren dadurch extrem an optischer Wirkung und werden uninteressant im Gegensatz zum ungeschnittenen Original.

Fazit

Oldschool ist das Wort das Singularity am besten beschreibt. Ein linearer Shooter der nichts falsch macht und schön aussieht. Genau das kann den Reiz an diesem Spiel ausmachen. Spieler die neue Gameplay-Ideen oder innovative Abläufe erleben wollen sind hier deshalb falsch. Das Zeitmanipuliergerät verleiht dem Spiel pepp und die tollen Umgebungen können Spaß machen. Auf Dauer wird Singularity aber langweilig, gut dass die Spielzeit nicht allzu lang ist. Der Multiplayer-Modus ist übrigens auch Standard-Kost. Insgesamt kann man Singularity allen empfehlen die einfach mal wieder Dampf ablassen, losballern und Mutanten bis zu den Knochen altern lassen wollen. Alle anderen sollten sich das Spiel vorher irgendwo einmal anschauen und sicherstellen dass sie von russischen Akzenten noch nicht genug haben.

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