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Kritik | Fable: The Journey

5. November 2012 | 0 Kommentare
Titel:
Fable: The Journey
Redaktions-Wertung:
Publisher:
Microsoft
Plattform:
Kinect für Xbox 360
LeserInnen-Wertung:
Release:
12. Oktober 2012
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Genre:
USK:
12

Mit der Vorzeigeserie des Entwicklers Lionhead und ihrem Ex-Boss Peter Molyneux versucht Microsoft, ihre Bewegungshardware „Kinect“, welche hin und wieder als „EyeToy 2.0“ belächelt wird, ins rechte Licht zu rücken. Stellt sich die „nur“ die Frage: Kann „Fable: The Journey“ die Ambitionen erfüllen und ein revolutionäres Spielprinzip aufzeigen oder ist es doch wieder nur ein schlechtes Machwerk, was zu Demonstrationszwecken seinen ruhmvollen Namen hinhält?

Ein Ritt durch Albion

Der junge Gabriel begleitet als Lenker eines Gespanns, welches von seinem Pferd Seren gezogen wird, eine Handelskarawane seines Freundes Katlan durch die fantasiereiche Welt der Fable-Serie, Albion. Dank der verwendeten „Unreal Engine 3“ auch wunderschön anzusehen: erstaunliche Lichteffekte, viele liebevolle Details und ein wieder einmal serientypisches hervorragendes Design bieten von lauschigen Plätzchen zum Rasten bis hin zu schauderhaften, düsteren Wäldern so ziemlich alles. Dennoch fehlt das gewisse Etwas, was der Serie ihren Wiedererkennungswert gibt, denn anders als die drei Hauptteile der Serie orientiert sich dieser Look – zumindest der des Hauptcharakters – etwas mehr an einem Comic als an einem menschlichen Wesen.

Nachdem ihr euer Pferdchen gestriegelt habt, so dürft ihr aufsitzen und der Karawane folgen – denkste! Ausgerechnet jetzt macht Gabriel seiner Bezeichnung als Schlafmütze alle Ehre, schließlich verpennt er glatt das Losfahren der Karawane und wacht in einem Unwetter, welches von einem Turm ausgeht, wieder auf. Sofort sagt er, dass es ihm bereits mal passiert ist, was ihm unbewusst einen Sympathiebonus garantiert. Zu seiner Verteidigung muss man aber auch neidlos anerkennen, dass die handelnden Personen generell wieder gut ausgearbeitet wurden und überzeugend herüberkommen, was der Story natürlich gut tut. Euer Ziel ist es nun also, zur Karawane aufzuschließen. Kurz vor einer Brücke gelingt euch das auch, dummerweise schlägt genau zwischen euch und dem Rest der Truppe ein gewaltiger Blitz ein, der

jene Brücke in Stücke reißt. Katlan fällt nichts anderes ein, als euch mitzuteilen, dass ihr einen anderen Weg suchen müsst – welcher typischerweise einen ungeheuren Umweg beinhaltet.

Gezwungenermaßen schlägt Gabriel mitsamt Seren und Karren eine neue Richtung ein, auf dem er am Wegesrand eine Dame mit Augenbinde trifft. Sie bettelt ihn voller Hilfe an, sie mitzunehmen, was Gabriel nicht ausschlägt. Sie entpuppt sich als Seherin Theresa, die aus allen Fable-Teilen bekannt ist, und warnt euch vor dem „Verschlinger“. Während Gabriel wie ein ungläubiger Thomas dasitzt, bricht hinter ihm die Apokalypse ein – eben genanntes Wesen versucht nun, eurem Gespann mit lava-ähnlichen Strömen und fliegendem Gestein an den Kragen zu gehen. Was bleibt euch übrig als zu fliehen? Als ihr schließlich nach einer panischen Hetzjagd verschnaufen könnt, macht Seren bemerkbar, dass sie verletzt ist, woraufhin Gabriel verzweifelt einen Ort der Heilung sucht, zu dem Theresa euch auch hinlotst. In einer antiken Höhle angekommen, schaut ihr ihn ein Becken, das euch eine schreckliche Zukunft zeigt und magische Handschuhe anlegt; in einer Art Traumwelt bekommt ihr dann auch eine Einleitung zu euren neu erworbenen Zauberkünsten, mit denen ihr auch euer Hottehü gesund pflegt. Nun offenbart sich aber auch, dass sich die Helden euch ausgesucht haben, die Welt vor der Bedrohung zu retten, da ihr die Handschuhe einfach nicht mehr abbekommt. Theresa formuliert eure erste Mission als Held: Holt bestimmte Artefaktsteine aus Tempeln, mehr sei nicht verraten.

Rail-Shooter?

Während euch Theresa en passant die Geschichte der Fable-Serie näher bringt, was Neulingen den Einstieg deutlich erleichtert, trottet ihr durch fast ganz Albion. Neben euer offensichtlich Primäraufgabe dürft ihr an bestimmten Plätzen eine Auszeit nehmen, euer Pferd heilen, säubern, beruhigen, Äpfel pflücken, Wasser pumpen, Schatztruhen öffnen – rollenspielübliche Elemente eben.
Doch freut euch nicht zu früh: klar muss man bedenken, dass dieses Spiel kein vollwertiges „Fable“ ist, aber man kommt einfach nicht umhin festzustellen, dass Dinge fehlen. Vor allem spezielle Eigenheiten, die dem Spiel sonst ihren Charme gegeben haben – zum Einen die Entscheidungsmöglichkeiten zugunsten einer moralischen Position zwischen Gut und Böse, und vor allem der Open-World-Charakter, sprich: man konnte wie in einem überdimensionierten Sandkasten frei und fast grenzenlos die Welt erkunden, wie es einem in den Kram gepasst hat.
Und hier ist dann der große Schnitt: das gesamte Spiel befindet sich auf Schienen, denn ihr könnt nur vorgegeben Pfade einschlagen; hier könnt ihr halten und rasten, da müsst ihr erst alle Gegner flambieren, bevor ihr weiter dürft, und dort hinten müsst ihr stupide den Weg entlang galoppieren. Das die Kämpfe nur Railshooter-typisch umsetzbar sind, ist noch nachvollziehbar. Aber das man mit der Kutsche nicht fahren kann, wie man möchte, ist unverständlich. Es gibt nichtmals richtige Abzweigungen, die zum selben Ziel führen – ein einziger Weg.

Zauberhafter Kutscher

Es ist also auf Dauer leider echt nervig, da der Reitanteil den Großteil des Kinect-Titels ausmacht. Und der Reitpart funktioniert ganz simpel: ihr sitzt wie ein Lenker eines Pferdekarrens und habt die Zügel in der Hand; Zügel kurz klatschen lassen, um das Tempo zu erhöhen, bis hin zum Sprint. Zu sich hinziehen, wenn man langsamer werden möchte, gen Himmel, wenn man anhalten möchte – alles beidhändig natürlich. Begehrt man zu lenken, so zieht den Arm, in dessen Richtung ihr fahren möchtet, zu eurem Körper. Tadellos klappt es nicht, aber häufiger Frust ist ebenfalls nicht zu verzeichnen.
Bei euren Nebentätigkeiten ist die Steuerung noch einfacher, wie eine Truhe zu öffnen ist, bedarf eigentlich keiner Erklärung. Glücklicherweise zeigt euch ein kleines Männchen trotz oft, was ihr wo und wann zu tun habt – besonders für Gelegenheitsspieler und Casual-Gamer ein hilfreiches Feature.

Die Standardkämpfe sind keine Highlights, selbst wenn ihr Zauber wie Blitz oder Ziehen verwenden dürft: Räumt Barrieren aus dem Weg, schmeißt Gegner durch die Gegend, betäubt sie, röstet sie, lasst Fässer explodieren oder lenkt eure Kugelblitze per Handbewegung um die Deckung herum. Einwandfrei wäre auch hier gelogen, was manchmal zu unkontrolliertem Herumwedeln führt, da einige Gegner euch schnell auf die Pelle rücken – nicht weiter tragisch, ihr könnt bevorstehende Angriffe blocken, wenn ihr eure linke Hand schützend vor euch haltet – wenn es denn klappt. Mit etwas Eingewöhnungszeit versteht ihr aber, welche Bewegung Kinect besser erkennt, und welche nicht. Übrigens: ihr lernt bis zu vier Zaubersprüche auf eurer Reise.
Bosskämpfe hingegen sind spektakulär, welche wir der Spannung zuliebe aber nicht preisgeben werden. Soviel sei gesagt: mancher Obermotz füllt euren Fernseher mit seinem Körper und wird von Leuten, die getreu dem Motto „Ich dresche mit Blitzen auf ihn ein, bis mein Mana leer ist“, nicht besiegt.

Der Screenshot entspricht nicht der Grafik im richtigen Spiel.

Was gibt’s denn sonst noch?

Im Pausenmenü dürft ihr Erfahrung, die ihr während des Reitens, Kämpfens oder bei Nebentätigkeiten erhaltet, umtauschen gegen nützliche Aufwertungen für euch oder Seren. Ihr habt immer die Wahl zwischen zwei neuen Dingen, auswählen dürft ihr aber immer nur eins – das andere verschwindet, wählt also mit Bedacht.
Abseits des Hauptplots, welcher storytechnisch prima inszeniert wurde und auch zu fesseln weiß, dürft ihr im Arcade-Modus bereits freigekloppte Passagen erneut spielen und versuchen, ihn so schnell, effektvoll und auch so effektiv wie möglich zu säubern. Je besser, desto höher die Punktzahl. Ein besonderer Reiz ist hier fehl am Platze. Umfangtechnisch kann der „Fable“-Spin-Off auch nicht mithalten: mit knapp 13 Stunden hinkt man auch hier hinterher, doch zugegeben ist der Vergleich nicht fair. Für ein Kinect-Titel ist die Dauer akzeptabel, aber nichts Besonderes.
Immerhin ist musikalisch alles im Lot, die tolle Atmosphäre wird klar unterstrichen und hilft deutlich – wenn auch passiv – bei der Erzählung des Plots.

Fazit

„Fable: The Journey“ ist ein interessantes Spiel für die controllerlose Bewegungssteuerung Kinect von Microsoft, bietet einen Mix aus deutlich zu viel ödem Reiten und ab und zu coolem Kampf in bester Railshootmanier, bloß mit Zaubern anstatt mit Knarren oder sonstigen Wummen. Leider ist eine präzise Steuerung nicht immer möglich, was denn Spielspaß senkt. Die Eindrücke für die Sinne sind in hervorragender Qualität, visuell wie auditiv. Auch eine nette Story mit witzigen und sympathischen Personen wurde spendiert. Das Manko: Typische Elemente wie das Moralsystem und die Bewegungsfreiheit wurden einfach über Bord geworfen. Wer ein „Fable“ wie die Vorgänger erwartet, wird bitter enttäuscht. Wer nach einem ambitionierten Kinect-Titel sucht, wird mit dieser Mischung aus Shooter mit RPG-Einlagen sicher einige Stunden Spaß haben.

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