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Kritik | Bioshock Infinite

4. April 2013 | 0 Kommentare
Titel:
Bioshock Infinite
Redaktions-Wertung:
Publisher:
2K Games
Plattform:
Xbox 360, PS3, PC
LeserInnen-Wertung:
Release:
26. März 2013
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Genre:
USK:
18

Bei uns im Test: Xbox 360-Version

Bei uns im Test: Xbox 360-Version

Schon früh wurde es angekündigt, lange wurde es erwartet, und jetzt ist es endlich da. Fast 6 Jahre lang arbeiteten die Entwickler von Irrational Games an “Bioshock Infinite”, das das Franchise aus dem Meer holt und in luftige Höhen befördert. Der großartige Vorgänger, die lange Entwicklungszeit und die zahlreichen Trailer haben riesige Erwartungen erzeugt, an denen schon so manches Spiel gescheitert ist. Ich war ehrlich gesagt gar nicht so sehr im allgemeinen Hype drin, obwohl vor allem das erste Bioshock zu meinen absoluten Lieblingsspielen zählt. Ich ließ das Spiel einfach ohne übermäßige Erwartungen auf mich wirken. Mal sehen…

Klares Fazit

Ich nehme mein Fazit diesmal gleich vorweg: “Bioshock Infinite” ist ein absolutes Meisterwerk und eines der besten Spiele, die ich jemals gespielt habe. In einer Zeit, in der große Entwickler und Publisher im Jahrestakt Sequels, Prequels und anderes halbgares Zeug veröffentlichen, ist “Bioshock Infinite” eine Perle, die man gar nicht hoch genug loben kann. Endlich einmal ein Spiel, das viel wagt, viel riskiert – und eine glatte Punktlandung hinlegt. Es ist ein Spiel, an das man sich noch in 20 Jahren erinnern wird, wenn all die durchschnittlichen Shooter- und Actiongames ihren Glanz verloren haben. Warum das so ist, versuche ich im Folgenden zu erläutern.

Virtuelle Menschen

Zuerst einmal ein ganz knapper und spoilerfreier Handlungsumriss: Ihr spielt Booker DeWitt, kommt in die Himmelssadt Columbia und befreit ein Mädchen namens Elizabeth aus einem Turm. Ihr wollt sie aus Columbia wegbringen, weswegen sie fortan eure Begleiterin ist. Mehr sei nicht gesagt, um nicht zu viel zu verraten, aber das genügt für meine Zwecke bereits. “Bioshock Infinite” verdankt seine Genialität nämlich an erster Stelle der Story und ihren Charakteren. Wie oft hattet ihr in Videospielen schon KI-Begleiter an eurer Seite, die entweder mit dummen Sprüchen und sinnlosen Verhaltensweisen nerven, oder euch zwar bei Schießereien u.Ä. helfen, aber keine Persönlichkeit haben? “Bioshock Infinite” ist für mich das erste Videospiel, auf das keiner dieser Punkte zutrifft. Zwar sind alle Charaktere sehr gelungen, doch besonders mit Elizabeth ist den Entwicklern ein Kunststück gelungen. Ich musste mir irgendwann förmlich selbst ins Gesicht schlagen, um zu begreifen, dass sie kein echter Mensch ist. Durch zahlreiche kleine Verhaltensweisen erlangt sie eine ungewohnte Authentizität, die man nur selten erlebt. Sie setzt sich hin und wartet, wenn man an einer Stelle zu lange stehen bleibt, sie hustet, wenn in ihrer Nähe geraucht wird, und teilweise rennt sie sogar voran, als würde sie genau wissen, wohin man als nächstes gehen will. Dazu kommt eine absolut perfekte Synchronstimme, was übrigens auf alle Charaktere zutrifft. (Randnotiz: Dabei beziehe ich mich auf die englische Fassung. Deutsche Synchronstimmen kann ich nicht ausstehen, deshalb möchte ich sie auch nicht bewerten.) Ich möchte keine Storydetails verraten, aber irgendwann wollte ich nicht mehr weiterspielen, sondern sie einfach nur noch in den Arm nehmen. Wenn ein Spiel solch eine Wirkung auf mich hat, hat es das größte Lob verdient!

Elizabeth

Elizabeth

Perfekt ausgearbeitet

Der Rest der Präsentation ist dabei nicht weniger überzeugend. Es gibt keine Cutscenes, alle Ereignisse finden direkt im Spiel statt. Nur manchmal wird die Kamera in eine bestimmte Richtung gelenkt, damit der Spieler wichtige Schlüsselmomente miterlebt. Dadurch fühlt man sich nie vom Spielgeschehen abgeschnitten, sondern steckt stets mittendrin. Was ich speziell über Elizabeth geschrieben habe, lässt sich auch auf die Präsentation und die Story übertragen. Noch nie hat mich ein Videospiel so sehr eingenommen, und noch nie bin ich mit einer solchen, nahezu kindlichen Neugier durch eine virtuelle Erzählung gewandert, um dann am Ende derart emotional berührt den Abspann zu sehen. Neben den genannten Punkten ist das auch der Spielwelt zu verdanken. Columbia führt in einem Punkt die Tradition Raptures fort, und das ist die Glaubwürdigkeit. Diese Stadt wurde von vorne bis hinten perfekt inszeniert. Hier hat man es mit einer beeindruckenden Fantasiewelt zu tun, die allen skeptischen Blicken standhält. Wo andere Videospielwelten nur Mittel zum Zweck sind, ist Columbia eine durch und durch lebendige Stadt. Sie ist eine optische Wucht und erlangt durch genau durchdachte politische und gesellschaftliche Aspekte eine erschreckende Glaubhaftigkeit.

Alle diese Dinge legen zwar die Grundlage für ein geniales Spiel, sind jedoch wertlos, wenn der Rest nicht überzeugt. Doch hier besteht keine Gefahr, denn “Bioshock Infinite” ist nicht nur inhaltlich hervorragend, sondern macht auch spielerisch eine Menge Spaß. Einige Elemente wurden dabei aus den vorherigen Teilen übernommen. So zaubert man weiterhin mit der linken Hand allerlei verrücktes Zeug herbei, während die rechte Hand ein klassisches Schießeisen trägt. Die Zauberkräfte heißen diesmal auch “Kräfte” (in der englischen Version dementsprechend “Vigors”) und veredeln die Ballereien. Man kann mit Elementen rumspielen, Schutzschilder erzeugen oder Gegner hypnotisieren, was sich sinnvoll ins Kampfgeschehen einbauen lässt. Die Schießereien an sich sind recht typische Ego-Shooter-Kost. Deckung, schießen, Deckung, schießen, das kennt man ja. Insgesamt erfindet “Bioshock Infinite” das Genre keinesfalls neu, und rein aus spielerischer Sicht gehört es auch nicht zu seinen allerbesten Vertretern. Die Kämpfe gehen allerdings gut von der Hand und machen durchgehend Spaß.

columbia skyline

Ganz wie Teil 1?

Wenn wir schon beim Vergleich zum ersten Bioshock sind, muss ich einen entscheidenden Unterschied nennen. In Rapture war man immer relativ frei unterwegs und hat die Stadt auf eigene Faust erkundet. Die Story hat sich dadurch entwickelt, dass man auf Erforschungstour geht und die Geheimnisse der Stadt Stück für Stück aufdeckt. In “Bioshock Infinite” ist das etwas anders. Columbia spielt zwar auch eine große Rolle, dient allerdings in erster Linie als Schauplatz für die Geschichte. Daher gestaltet sich der Spielverlauf viel linearer, wobei man aber nie das Gefühl hat, durch schlauchige Levels zu laufen. Dem Spieler wird immer genau so viel Spielraum gelassen, dass er nie zu weit von der Story abweicht, sich aber auch nicht eingeengt fühlt. Meiner Meinung nach ist das die perfekte Lösung. Eine komplett offene Stadt hätte die Geschichte zu sehr in den Hintergrund gerückt, während komplett schlauchige Levels dem Spielgefühl geschadet hätten. So haben wir einen Mittelweg, der beide Aspekte berücksichtigt.

Technisch kann ich an “Bioshock Infinite” nichts bemängeln. Die Grafik setzt das Gezeigte grandios in Szene, und der Sound unterstreicht es bombastisch. Klar, Grafikfetischisten würden jetzt einzelne Texturen unter die Lupe nehmen und (vielleicht sogar zu Recht) den Zeigefinger erheben, doch das halte ich für unangemessen. Grafik allein bringt nichts, sie darf bloß nicht so schlecht sein, dass sie dem Spielinhalt schadet. “Bioshock Infinite” sieht natürlich nicht aus wie “Crysis 3″, das muss es aber auch nicht. Die Grafik ist so gut, dass sie während dem Spielen komplett in Vergessenheit gerät, und genau so soll es sein. Ich habe das ganze Spiel über nicht ein einziges Mal gedacht, dass diese oder jene Szene mit besserer Grafik auch besser gewirkt hätte. Spielwelt, Figuren und Action sind allesamt toll anzusehen.

Kampfgeschehen

Kaum Mängel

Wirklich drastische Kritik habe ich eigentlich nicht zu äußern. Aber der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass der Schwierigkeitsgrad an zwei oder drei kleinen Stellen nicht genau passt. Ich schaffte es die ganze Zeit über auf “hard” sehr gut durchs Spiel, doch auf einmal kam ein Kampf, der so dermaßen übertrieben schwer war, dass ich den Schwierigkeitsgrad kurzzeitig runtersetzen musste. Und es gab einen ganz kleinen Moment, in dem das Gameplay etwas eintönig wurde und ich kurzzeitig dachte, dass ich doch allmählich genug geballert habe. Das Spiel hat aber prompt reagiert, voll auf die Bremse gedrückt und sich wieder der Story gewidmet. Es gibt nur einen einzigen wirklich nervigen Kritikpunkt, der allerdings nichts mit dem Spiel an sich zu tun hat. Und das ist das Speichersystem. Man kann in “Bioshock Infinite” nämlich nicht mehr frei speichern, es gibt nur noch Autosaves an bestimmten Stellen des Spiels. Diese Stellen scheinen aber völlig willkürlich über das Spiel gestreut worden zu sein, zumal auch nicht immer genau ersichtlich ist, wann ein neues Kapitel beginnt. Ein weiteres Problem ist außerdem, dass ich meine Xbox über Nacht vom Strom trenne, weshalb beim Neustart immer der

22. November 2005 um 13 Uhr eingestellt ist. Das Dumme dabei: “Bioshock Infinite” sortiert seine Savegames nach dem Datum der Konsole, und da ich bei jedem neuen Start mit dem gleichen Datum und der gleichen Uhrzeit beginne, herrscht dort ein riesiges Durcheinander. Wenn ich zum Weiterspielen einfach auf “continue” drücke, lande ich bei irgendeinem Savegame, dass zufällig ganz oben in der Liste steht. Ich habe in diesem Wirrwarr schnell den Durchblick verloren und musste deshalb schon zweimal einen Abschnitt doppelt spielen. Manuelles Speichern hätte derartige Probleme von Anfang an ausgeschlossen, zumal ich auch gerne einfach mittendrin die Konsole ausmache, um dann ein anderes Mal weiterzuspielen.

Nachtrag: Ich habe mich jetzt mal vor dem Spielen mit dem Internet verbunden, und siehe da: Das automatische Speichern funktioniert perfekt. Alle genannten Probleme treten nur auf, wenn man nicht online ist und die Xbox nach dem Spielen immer vom Strom trennt, wodurch man sich auf ewig im November 2005 befindet. Manuelles Speichern wäre mir aber trotzdem lieber.

Abschließende Worte

Was soll ich jetzt noch sagen? Videospiele stehen storytechnisch schon immer etwas im Schatten von Filmen und Büchern, und das ehrlich gesagt zu Recht. Hier geht es meistens nur um gutes Gameplay und/oder großes Krachbumm, aber vielschichtige Geschichten und Charaktere sind eher eine Rarität. Schon das erste Bioshock brach mit dieser Konvention, und “Bioshock Infinite” setzt das Bestreben konsequent fort. Diesem Spiel merkt man seine sechsjährige Entwicklungszeit, die Mühe und das Herzblut der Macher wirklich an. Es ist ein großartiges Erlebnis, das beweist, wie viel die Kunstform Videospiel zu bieten hat, und damit sticht es heutzutage strahlend aus der großen Masse hervor. Würde man den Inhalt ausblenden und nur das Gameplay betrachten, wäre “Bioshock Infinite” wahrscheinlich gar kein besonderes Spiel. Aber so ist es ein Kunstwerk, das im Games-Bereich seinesgleichen sucht. Es ist schön zu sehen, dass das mit großartigen Bewertungen und Verkaufszahlen belohnt wird. Davon hätte ich gerne mehr!


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