Kritik | Kane & Lynch 2: Dog Days

14. September 2010 | 0 Kommentare
Titel:
Kane & Lynch 2: Dog Days
Redaktions-Wertung:
Publisher:
Square Enix
Plattform:
Xbox360, PS3, PC
LeserInnen-Wertung:
Release:
20.08.2010
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Genre:
USK:
18

Square Enix hat diesmal die Werbetrommel lauter gespielt, und nun sind nicht nur die Fans des ersten Teils auf Kane & Lynch 2: Dog Days aufmerksam geworden. Was euch erwartet verraten wir euch, doch setz eure Erwartungen nicht zu hoch, denn diesmal haben Kane & Lynch nicht nur in der Story Probleme in Bestform zu erscheinen. IO Interactive setzt von Anfang an auf düstere Realität und YouTube-Style. Wackelnde Kamera und schmutzige Atmosphäre begleiten euch durchgehend. Im Menü des Spiels bekommt ihr das gleich zu spüren, wobei hier der Hintergrund lobenswerterweise sehr realistisch aussieht. Im Spiel jedoch ist ein hartes Gemüt gefragt und auf keinen Fall Seekrankheit. Denn ein Bild das einer virtuellen Handykamera gleicht, besticht mit extrem verwackelten Szenen und unschönen Nebeneffekten, die bei schlechten Kameras eben so auftreten: Überbelichtung, Mikrofonrauschen und Artefaktbildung.

Realismus

Überlebensinstinkt ist hier das Motto, und wer diesen nicht mitbringt hat schon verloren. Ein Videospiel hat selten durch solche Technik die Realität und Hektik eines gnadenlosen Feuergefechtes so herübergebracht wie Kane & Lynch 2. Manchmal möchte man sich sogar wirklich in die Ecke werfen und die Arme über dem Kopf zusammenpressen. Kugeln zischen durch die Luft, Tische, Stühle und andere Objekte zerbersten im Kugelhagel, es knallt pausenlos, Chaos pur. Überleben heißt hier: die Orientierung behalten, denn nur selten wird der Weg angezeigt. Per Knopfdruck lassen sich wenigstens herumliegende Waffen orten, denn die Munition in den wilden Schießorgien ist oft knapp.

Erzwungene Story

Der Psychopath Lynch lebt in Shanghai an der Seite seiner chinesischen Freundin Xiu. Er will noch ein großes Ding in seinem Leben durchziehen und lädt dazu seinen alten Kumpel Kane nach Shanghai ein. Außer dass vor dem großen Plan plötzlich etwas gewaltig in die Hose geht bekommt man kaum noch mit, denn ab hier ist nur noch Geballer angesagt. Tausende Gegner bekommt man zu Gesicht, die allerdings pro Setting immer gleich aussehen. Die KI ist dabei zwar gut aber vorhersehbar, kämpfen müssen wir dennoch ordentlich um vorwärts zu kommen. Dabei können wir auf fallengelassene Schießeisen der Gegner zurückgreifen, die Auswahl ist groß aber nicht wirklich ausgefallen. Die Waffen dürften euch aus anderen Spielen bestens bekannt sein. Kanister und sonstige explosive Mittel dürfen geworfen und anschließend abgeschossen werden um Gegnermengen auf einmal auszuschalten. Unverständlich ist allerdings warum es keinerlei Granaten oder Ähnliches im Spiel gibt. Aus den Actionszenen gibt es im kompletten Spiel kaum auch nur eine Möglichkeit zu entfliehen, nicht einmal Zwischensequenzen lockern das Ganze etwas auf. Hier sind wir auch schon beim Hauptproblem von Kane & Lynch 2: Dog Days angekommen: Monotonie, sehr heftige Monotonie! Es lässt sich nämlich als einzige Schießbudenhatz beschreiben. Die Luft ist deshalb trotz aller Atmosphäre schnell raus. Dann geht es euch ungefähr so: „Wann kommt endlich der Abspann!!? Ich will meine RUUUHHE!!“

Atmosphäre und Optik

Ein spannendes, mitreisendes Spiel ist somit zerstört worden. Das Potenzial ist vorhanden, doch die Umsetzung kommt nicht einmal an den Vorgänger heran, der wesentlich interessanter und motivierender gestaltet war. Den ewig düsteren flimmernden Gassen wird man auch schnell überdrüssig, denn im Grunde sehen alle Schauplätze gleich grau aus. Versteht mich nicht falsch, die Optik ist gut gelungen, Spiegelungen und Effekte sind hervorragend. Highlight ist vor allem der irgendwann auftauchende Regen, der dem ganzen Chaos und dem Druck der auf unseren beiden Protagonisten liegt den i-Punkt aufsetzt. Dennoch nervt auch die Wackelkamera sehr schnell und es sind oft nur noch kurze Spieleinlagen möglich bevor man wieder eine Pause braucht. Was mir noch aufgefallen ist: Die Lippen der Helden bewegen sich nicht während den Dialogen im Spielgeschehen. Das passt nicht zur sonst gut umgesetzten Atmosphäre und den soliden Cutscenes, sondern wirkt einfach lächerlich. Das Spielgefühl bleibt von negativen Punkten leider auch nicht verschont: Alle Waffen fühlen sich irgendwie ähnlich an, und sogar mehrfache Headshots bringen Gegner oft nicht zur Strecke. Da bleibt die Frage: Wieso soll ich noch genau zielen??
Egal wie man Kane & Lynch 2 nach einiger Zeit des Spielens sieht, es bleibt immer der Eindruck: Flacher Shooter mit außergewöhnlicher Umsetzung. Warum sich IO Interactive und Square Enix mit dieser hervorragenden Grundausstattung die Gelegenheit entgehen haben lassen, ein gehaltvolleres Werk auf Blockbuster-Niveau zu kreieren, wissen vermutlich nur sie selbst.

Das Team betrügen

Zu erwähnen wären noch die Multiplayer-Modi, die durchaus Spaß machen aber auch nichts besonderes bieten. Dabei geht es in „Fragile Alliance“ darum Geld zu stehlen und entweder zum Team zu halten oder als Dieb durchzukommen. Neben diesem Modus gibt es noch die üblichen Katz und Maus-Spiele. Diese Spiele sind auch solo im Arcade-Modus spielbar. Im Koop-Modus mit einem Freund die Story zu spielen macht schon mehr Spaß, da hier wenigstens das gemeinsame Vorgehen etwas Abwechslung bietet.

Fazit

Es scheint, als habe man im Hause IO Interactive beim Polieren der grandiosen Außenschale vergessen, dass ein Spiel auch Inhalt benötigt, um zu motivieren und seinen vollen Wert zu entfalten. Chaotisch realistische Feuergefechte, die uns Schweiß auf die Stirn treiben reichen einfach nicht. In 4 bis 5 Stunden habt ihr die Hatz übrigens hinter euch. Angesichts des Verkaufserfolgs von Kane & Lynch 2 in Großbritannien sowie dem kommenden Kinofilm muss man jedoch davon ausgehen, dass uns die beiden in nicht allzu ferner Zukunft wieder beehren werden. Es sollte dann aber wenigstens auf bessere Waffenunterschiede und mehr Abwechslung gesetzt werden, dazu eine spannende Story und schon könnte uns etwas großartiges erwarten.

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