Kritik | Pokémon HeartGold & SoulSilver
Wer kennt sie nicht, die überaus bekannte Spieleserie “Pokémon”? Viele bezeichnen sie als Spielspaßoffenbarung, andere hingegen sehen sie als ein süchtigmachende, volksverdummende Geldverschwendung an. Fakt ist, dass sich die Franchise zur weltweit zweiterfolgreichsten bzw. zweitlukrativsten entwickelt hat, vor ihr ist nur die Franchise eines gewissen Klempners. Nun erscheinen schon die Neuauflagen der zweiten Generation, Pokémon Gold und Silber. Wir haben die Editionen 15 und 16 der Hauptserie für euch unter die Lupe genommen…
Schnapp’ sie Dir alle!
Ganz am Anfang beginnt ihr in eurer Heimatstadt, Neuborkia. Eines Tages ruft euch der berühmte Professor Lind zu sich in das Labor. Er bittet euch, ein Paket abzuliefern, doch da ihr nicht schutzlos losziehen solltet, leiht er euch eines von drei seltenen Pokémon, die Wahl liegt bei euch. Ihr streift direkt los und kämpft im hohen Gras gegen zufällig auftauchende Wesen, bis ihr schließlich den Bestimmungsort erreicht habt. Dort übergibt euch Professor Eich einen Pokédex, der alle Taschenmonster auflistet, die ihr gesehen oder gefangen habt. Diesen zu füllen, ist alles andere als eine Utopie, denn ohne Cheats ist es unmöglich, sage und schreibe 493 dieser Ungeheuer zu kollektivieren. Im Verlauf des Spiels trefft ihr unzählige Male auf den rothaarigen Rivalen, der sich als Dieb eines Pokémons von Professor Lind entpuppt. Abgesehen von ihm treibt die Gangsterbande Team Rocket auch wieder ihr Unwesen; ihr seid es, der ihnen Einhalt gebieten muss.Auf eurer Reise trefft ihr neben vielen Monstern und Trainern in der Landschaft auch auf außergewöhnliche Trainer in den Städten. Sie betreiben Arenen, in der ihr euch Orden verdienen könnt. Dazu müsst ihr die Leiter besiegen, die nur Wesen eines Typs in den Kampf schicken werden. Nach dem Sieg erhaltet ihr als zusätzliche Belohnung die Erlaubnis, sogenannte VMs zu benutzen, mit denen ihr Bäume zerschneiden, Steine verschieben oder Wasserfälle bezwingen könnt – eben die Dinge, mit denen ihr neue Gebiete erreichen könnt. Habt ihr alle Orden der Arenaleiter beisammen, so erwartet euch eine spezielle Herausforderung:
Die Pokémon-Liga. Sie besteht aus vier Trainern, den Top Vier, und dem Champ. Alle haben mindestens das Format eines Arenaleiters, wer sich also nicht gut vorbereitet, wird kalt erwischt werden. Was das ganze noch erschwert ist die Tatsache, dass ihr euch zwischendurch nicht heilen lassen könnt, deswegen sind lebenskraftauffüllende Items eine gute Wahl. Habt ihr auch dies bewältigt, seid ihr nur zur Hälfte fertig. Denn neben dem ersten Gebiet namens Johto erwartet euch noch ein zweites Gebiet namens Kanto, mit anderen Pokémon und anderen Trainern…
Wie spiele ich richtig?
Jedes Monster entspricht entweder einem oder zwei bestimmten Elementen bzw. Typen: Normal, Feuer, Wasser, Pflanze, Elektro, Eis, Kampf, Gift, Boden, Flug, Psycho, Käfer, Gestein, Geist, Drache, Unlicht und Stahl. Ebenso besitzt jede Attacke so ein Attribut. Natürlich gibt es Stärken, Schwächen und Resistenzen, die es auszunutzen gilt, um den Gegner zu besiegen. Habt ihr zum Beispiel ein Wasserpokémon und euer Kontrahent ein Feuerpokémon, so solltet Ihr eine Wasserattacke einsetzen. Ein Angriff des Typs Normal wäre hier weder effektiv noch uneffektiv. Werdet ihr mit einer feuerelementaren Offensive konfrontiert, erhaltet ihr wenig Schaden. Kommen wir zu Resistenzen: Manche Angriffe werden keinen Schaden verursachen. Wie sollen zum Beispiel Bodenattacken ein fliegendes Wesen treffen? Gar nicht, logisch. Trainer, die dies verinnerlicht haben, sollten mit einem guten Team nicht allzu große Schwierigkeiten haben. Starke Monster erlernen auch starke Attacken. Einige sind so stark, dass man im Anschluss eine Runde aussetzen muss, um sich zu regenerieren. Doch neben solchen Optionen, mit denen ihr Schaden austeilt, gibt es auch diverse weiter Möglichkeiten: Vergiftet, paralysiert oder lasst den Gegner einschlafen. Darüber hinaus ihr könnt euch auch selbst helfen, indem ihr eure Statuswerte verbessert oder eure Lebenleiste etwas auffüllt.
Doch wie werden eure süßen Tierchen stark? Indem sie einen hohen Level erreichen. Dazu besiegt ihr andere Trainer oder die in der Wildnis auftauchenden Kreaturen, für die ihr eine unterschiedliche Anzahl von Erfahrungspunkten erhaltet. Habt ihr genügend, steigt ihr ein Level auf und eure Werte verbessern sich. Manchmal können duch Levelanstieg neue Attacken erlernt werden oder eure Pokémon entwickeln sich sogar.
Und was ist neu?
Abgesehen von Grafik und Audio, die dem technischen Stand angepasst wurden, gibt es einige spielerische Neuerungen: Das Pokémon, welches in eurem Team die erste Stelle belegt, läuft hinter euch her. Ihr könnt mit ihm reden, um die Zufriedenheit herauszufinden oder Items zu erhalten, falls es welche aufgehoben hat. Darüber hinaus trefft ihr im Spielverlauf auf einige Personen, die ihr aus anderen Editionen bereits kennt. Auch bezüglich der Umgebung hat sich einiges getan: Alle Arenen wurden mit neuen Rätseln aufgepeppt, eine Safarizone für die neuesten Pokémon wurde hinzugefügt und einige markante Orte wurden neu gestaltet, auffällig ist hier zum Beispiel der “See des Zorns”. Um sich abseits vom ganzen Trubel erholen zu können, haben sich findige Entwickler den Pokéathlon ausgedacht. Die fünf Attribute Ausdauer, Geschwindigkeit, Kraft, Sprung und Technik bestimmen in den Sportarten, wie gut ihr abschneidet. Jedes eurer Monster hat Vor- und Nachteile bezüglich der vorher genannten Eigenschaften, doch mit sogenannten Aprikoko-Shakes dürft ihr euch aufwerten. Zu den Disziplinen gehören unter anderem Fußball, Hürdenlauf oder eine zünftige Schneeballschlacht. Klingt nicht nur spaßig, das ist es auch! Zur Belohnung gibt es sogar attraktive Preise – vorrausgesetzt, ihr wart gut genug. Und noch ist nicht Ende der Fahnenstange: Wenn sich die putzigen Taschenmonster bewegen, dann sollt ihr es ebenso! Dafür wurde der Pokéwalker geschaffen:
Ladet eure drei Lieblinge darauf und lauft los; jeder Schritt wird auf dem Gerät vermerkt, er entspricht einem Erfahrungspunkt. Fleißige Läufer haben also ein starkes Team. Es stehen mehrere Routen zur Auswahl doch zu welchem Zweck? Ihr habt die Möglichkeit seltene Wesen zu fangen und seltene Items zu ergattern. Worauf wartet ihr? Auf die Plätze, fertig, los!
Viva El Touchpen
Die Knöpfe kann man benutzen, muss man aber nicht. Ihr bewegt euren Charakter wie immer mit dem Steuerkreuz, die Aktionen macht ihr per A-Knopf – von “Item aufheben” bis “Leute ansprechen” ist alles dabei. Wahlweise dürft ihr auf dem unteren Bildschirm die Aktionen mit Touchpen starten. Schwer ist das nicht, es kann also jeder nach belieben wählen. Die PDA-ähnliche Berührungsabfrage ist wie schon bei vielen Nintendo DS-Spielen zuvor sehr genau; was man antippt, wird ausgewählt. Schade ist, dass das Mikrofon nicht eingebracht wurde. Höchstwahrscheinlich weil man das bewährte Pokémon-Flair beibehalten wollte.
Neue Technik, neues Design
Nach zehn Jahren des Erscheinens von der zweiten Pokémon-Generation bekommen die beiden Spiele ein Verjüngungskur: Ein frisches Design, was ganz und gar nicht mehr an die alten Game Boy-Zeiten erinnert. Dazu kommt der technische Fortschritt: Aus zweidimensionalen Bildern ist eine stattliche dreidimensionale Welt geworden. Im Vergleich zu den Vorgängern “Perl” und “Diamant” – abgesehen von “Platin” – sind die Kanten klarer und die Landschaften plastischer. Auditiv hat sich auch einiges getan, den altbekannten Melodien und Ohrwürmern sind Remixen gewichen, so hat manches Lied ein orientalisches Ambiente bekommen, anderes klingt nun ruhiger, eher nach Jazz. Dabei ist eine Vielfalt entstanden, die für manchen zu durcheinander gewürfelt erscheint. Dennoch kann man entspannt den Klängen lauschen. Daumen hoch!
Fazit
Ein weiterer guter Pokémon-Spieletitel. Rundum gelungene neue Features, verbessertes Design, qualititativ hochwertige Grafik und das weltbekannte Prinzip. Jedoch muss man nicht viele Spiele der Franchise haben, da diese einfach sehr ähnlich sind und “nur” mit neuen Monstern und Landschaften ausgestattet werden. Wem das Prinzip aber zusagt, der wird hier definitv keinen Fehlkauf tätigen.





