Kritik | Infinite Space
‘Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Schritt für die Menschheit’ sagte einst Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond. Doch darüberhinaus gibt es noch unzählige weitere Planeten zu entdecken in den unendlichen Weiten des Weltraums. Infinite Space bietet euch genau diese Möglichkeit. Entpuppt sich der ‘Infinite Space’-Schritt schlussendlich doch nur als müder Hüpfer für die Spielergemeinde?
Alles beginnt mit Yuri, einem Waisenjungen vom Planeten Ropesk. Nia Lochlain, eine Menschenschmugglerin, holt ihn für Geld ab, denn die Flucht ist auf seinem Planeten illegal. Plötzlich erfährt unser Held von jenem Diktator, dass seine Schwester Kira als Geisel genommen wurde. Nia bietet ihm ihre Hilfe an, natürlich willigt er ein. Nach einer Raumschlacht findet er seine Schwester in seinen Armen wieder, seinen Kontrahenten jedoch im Jenseits. Mit der Zeit baut sich der anfangs so schüchterne Weißschopf eine stattliche Crew mitsamt einer Flotte von Schiffen, schließlich will er sein Epitaph, ein mysteriöses Erbstück von seinem Vater, wiederhaben und dessen Geheimnis lüften. Valantin, der Dieb, ist zeitgleich auch ein Zero-G-Dog, also ein sehr bekannter Raumfahrer; sogar der Bekannteste, um genau zu sein. Um ihn konfrontieren zu können, muss er weit mehr als ein Schiff sein Eigen nennen können. Wer wäre so töricht, die schiere Übermacht nicht anzuerkennen?
Apropos Macht: Mächtig ist auch der buchstäbliche Klotz am Bein, der euch abermals zum Hinfallen zwingt. Denn die Bedienungsoberfläche ist alles andere als selbsterklärend oder einfach, trotz Nias Einweisungen ist die gute, alte Bedienungsanleitung zum kompletten Verständnis nötig. Der anfänglichs hohe Schwierigkeitsgrad ist ebenso abschreckend, nach mehreren verlorenen Schlachten lässt der Wille einfach nach. Taktische Prägung der Kämpfe fehlt anfangs ebenso, aber je weiter man eintaucht, desto intelligenter und anziehender wird es, mehr dazu später. Leider weiß man auch nicht immer, was das Spiel zum bestimmten Zeitpunkt verlangt, um spielintern voranzuschreiten. Das liegt zum einen am fehlenden Questlog, heißt also, dass ihr eure Aufträge und deren Fortschritt selbst wissen müsst. Legt ihr den DS länger mal aus der Hand, so seid ihr mehr als nur aufgeschmissen. Desweiteren ist die fehlende deutsche Sprachausgabe schade und bisweilen ein Hindernis, falls die Englischkenntnisse nur die Grundlagen umfassen.
Auf Planeten könnt ihr eure Crewmitglieder an die passenden Stellen packen, neue Module und Waffen bzw. deren Blaupausen kaufen und eure Schiffe damit aufrüsten. Jedes Schiff hat spezielle Vor- und Nachteile, welche entscheidend im Kampf sind. Dazu zählen Bewegungsschnelligkeit, Resistenzen gegenüber bestimmten Angriffen, Rüstung, Reichweite und viele mehr. Es ist also Nichts dem Zufall überlassen, hier gewinnt nur die Person, mit dem Schiff, welches die beste Ausrüstung und Personen zur Verfügung hat. Jene erhöhen die Effektivität, da sie mit ihren Fähigkeiten wie z.B. Schiffssführung, Wartungsarbeiten oder Artillerie ihren Beitrag zum Gesamtgeschehen leisten.
Kämpfe laufen selten gleich ab, es gibt zu viele verschiedene Faktoren, die zu beachten sind und das Geschehen beeinflussen. Je mehr Schiffe teilnehmen, desto länger zieht sich der das Gefecht hin, oftmals sind es mehrere Minuten. Einige Anzeigen sollen euch nicht nur helfen, eine Nicht-Beachtung derer ist praktisch immer fatal. Da wäre zum einen die Aktionsleiste, je weiter sie gefüllt ist, desto bessere Manöver stehen euch zur Auswahl frei. ‘Ausweichen’ kostet wenig, ein ‘normaler Angriff’ mehr und fast die ganze Leiste geht drauf, wenn ihr euer ‘Dauerfeuer’ anwählt. Hierbei gilt, dass Letzteres nutzlos wird, sobald euer Gegner ausweicht; immensen Schaden richtet dann das normale Feuer an. Beachtet ihr aber die Reichweite nicht, so trefft ihr ebenfalls nicht die gewünschten Ziele, nämlich die gegnerischen Kreuzer – bewegt euch dementsprechend vor und zurück, damit jeder Kontrahent auf’s Korn genommen werden kann. Übrigens empfiehlt es sich, das vorderste Schiff zu beschießen. Logischerweise verfehlt ihr viele Schüsse, falls ihr trotzdem versucht, Objekte in den hinteren Reihen zu Fall zu bringen, die gut geschützt sind. Im Spielverlauf lernt ihr noch weitere Möglichkeiten Schaden zuzufügen, wie beispielsweise den Nahkampf, bei dem ihr versucht, dass andere Schiff von innen zu übernehmen. Dies läuft praktisch wie ‘Stein, Schere, Papier’ ab, Einzelheiten lernt ihr aber lieber selbst. Irgendwann wird selbst der beste Kämpfer mal das Zeitliche segnen und dann erfolgt das unschöne Erwachen: den ‘Game Over’-Bildschirm. Ihr müsst das Spiel vom letzten Speicherpunkt fortsetzen, nicht gespeicherter Fortschritt ist verloren. Eine Möglichkeit zur Kampfwiederholung gibt es folglich nicht. Hier wurden meiner Meinung nach Punkte verschenkt und der Frustfaktor lediglich erhöht.
Haken wir bei den schlechten Seiten nach: Während die mehr oder weniger spannende Geschichte im Anime-Look erzählt wird, sind Untertitel zwar immer da, doch die Synchronisation zieht sich nicht durch das ganze Spiel. Lediglich die wichtigsten Gespräche genießen dieses Privileg, wobei diese durchaus gut sind und Spaß beim Zuhören entstehen lassen. Schönerweise lassen sich gelegentlich Antworten auswählen, was euch ein wenig mehr einbezieht und eine Abwechslung zum einfachen Lesen vom Informationsschwall darstellt. Musikalisch wirkt alles sehr laut, metallisch und futuristisch. Richtige Ohrwürmer sind darunter leider nicht. Qualititativ ist weder Grafik noch Audio auf der Höhe eines Nintendo DS, jedoch sind die gezeichneten Animeszenen deutlich besser als die Kurzfilmchen mit matschigen dreidimensionalen Raumern. Die Steuerung läuft komplett mit dem Touchpen ab, wer möchte, darf aber noch gelegentlich das A-Knöpfchen betätigen. Schwierigkeiten gibt es hier glücklicherweise nicht.
Fazit
Hardcore-Gamer und SciFi-Liebhaber werden definitiv in den Bann ziehen, Freunde der Taktikschlachten können nach dem leider so schwierigen Einstieg ihren Spaß haben. Prinzipiell ist dieses ambitionierte Spiel herausstechend und keine Massenware, bei der Umsetzung der Ideen haben sich aber kleinere Kritikpunkte eingeschlichen, die in der Summe einiges ausmachen. Weder grafisch, musikalisch noch atmosphärisch sollte man hier ein Feuerwerk erwarten, Handheldspieler mit Frustresistenz dürfen sich diese Gelegenheit aber nicht entgehen lassen.



