Kritik | Drakensang: Am Fluss der Zeit

20. Mai 2010 | 0 Kommentare
Titel:
Drakensang: Am Fluss der Zeit
Redaktions-Wertung:
Publisher:
dtp entertainment
Plattform:
PC
LeserInnen-Wertung:
Release:
19.02.2010
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Genre:
USK:
keine Angaben

Die Entwickler von Drakensang: Am Fluss der Zeit haben sich die Kritik am Vorgänger zu Herzen genommen und machen Vieles besser. Aber auch hier gibt es ganz klar Stärken und Schwächen. Wie gut es ist und vor allem für wen es sich lohnt, erfahrt ihr hier.


Aller Anfang ist schwer

Starten wir da, wo ein Rollenspiel meistens beginnt: bei der Charaktererstellung. Nach einer kleinen Eröffnungssequenz, die sehr schön zeigt, welche Gemütlichkeit uns in nächster Zeit erwartet, finden wir uns bei der Charakterauswahl wieder. Insgesamt gibt es von Krieger über Waldläufer und Magier bis hin zu Schurken 22 unterschiedliche Archetypen (Klassen). Für jeden einzeln sieht man in einer Übersicht die wichtigsten Informationen zu Werten, Eigenschaften und der Herkunft, sodass man auch ohne Regelkenntnisse der Pen&Paper Vorlage schnell und unkompliziert ins Spiel einsteigen kann. Im Expertenmodus können sich dann Regelkenner so richtig austoben. Hier stehen einem alle Möglichkeiten offen, insofern man auch weiß, was man da tut. Die Tooltipps sind zwar hilfreich doch ohne genaue Kenntnisse kommt hier schnell Frust auf. Nachdem, man sich für einen Archetyp entschieden hat, kann man noch Haare, Gesicht, Körper und Geschlecht verändern, ihm einen Namen geben oder generieren lassen und schon startet das Spiel. Allerdings ist nicht alles so umfangreich wie die Charaktererstellung in Drakensang. Bei der Wahl unserer zukünftigen Begleiter sind wir auf einige wenige begrenzt. Unsere ersten Gehversuche in Aventurien bestreiten wir an der Seite von Fayris, einer Waldläuferin und Jaakon, einem Magier. Hinzu kommt dann im weiteren Verlauf nur noch das schon aus dem Vorgänger bekannte Trio bestehend aus Forgrimm, einem Zwergensöldner, dem Schurken Cuano und Ardo von Eberstamm, einem Krieger.

Eine banale Hauptstory

Zu Beginn des Abenteuers reist der Spieler nach Nadoret, um seine Ausbildung zu beenden. Ähnlich wie bei Dragon Age: Origins erlebt man, je nachdem was man für eine Klasse gewählt hat, eine unterschiedliche Ausbildung. So hilft man z.B. Als Magier seinem Meister bei Experimenten, lernt als Schurke, wie man Schlösser knackt und Fallen entschärft oder geht als Soldat mit der Nachtwache auf Patrouille. Jede dieser Einführungen führt aber letztendlich auf die Hauptgeschichte zurück. Diese dreht sich um die Gefährten Ardo von Eberstamm, Forgrimm und Cuano, auf deren Suche nach etwas Geheimnisvollem wir sie begleiten. Allerdings liegt hier auch mein größter Kritikpunkt bei Drakensang: Die Story kommt nur allzu gemächlich in Schwung. Erst mal dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis etwas Spannung in die Geschichte kommt und als es dann endlich so weit ist, ist das Spiel auch schon vorbei. Aber zum Glück liegt die Motivation Drakensang weiterzuspielen an anderer Stelle. Das Spiel zeichnet sich durch seine wundervoll detaillierte und belebte Welt und vor allem durch die interessanten Nebenquests aus. Bei den gut erzählten kleinen Geschichten haben wir oftmals die Wahl, wie wir vorgehen. In bester Rollenspielmanier hat man die Möglichkeit mit brachialer Gewalt vorzugehen oder zu versuchen durch Gespräche eine Lösung herbeizuführen. Bei Letzterem spielen unseren sozialen Talente eine große Rolle. Bei manchen Missionen bieten sich auch noch andere kreative Lösungen an. Das Kampfsystem orientiert sich an alten Klassikern wie Baldurs Gate oder Neverwinter Nights. Am Anfang eines Kampfes stoppt die Zeit und man keinen sich mit den ersten Befehlen für die Gruppe darauf vorbereiten. Während des Gefechts besteht dann immer die Möglichkeit das Geschehen per Druck auf die Leertaste anzuhalten und seinen Begleitern neue Befehle zu geben und sie richtig zu positionieren, um die Schwächen der Feinde auszunutzen. Allerdings sind die Kämpfe im Vergleich zu anderen Rollenspielen nicht so actiongeladen, dafür aber voller taktischer Möglichkeiten.

Tolle Atmosphäre

Selten hab ich es erlebt, dass eine Spielwelt so glaubhaft und lebendig dargestellt wird. An jeder Ecke trifft man faszinierende Personen und erlebt lustige Geschichten. Selbst wenn man einfach nur durch die Stadt geht und das Treiben der Leute beobachtet oder einfach mal ein paar Gespräche der Bürger belauscht, wird man immer wieder gut unterhalten. Hier punktet Drakensang einfach mit einer tollen Atmosphäre, vor allem, weil sich die Entwickler die Kritik aus dem ersten Teil zu Herzen nahmen und alle Dialoge vertont haben. Gerade die lustigen Streitgespräche zwischen dem Zwergen Forgrimm und dem Schurken Cuano sorgen dafür, dass einem die Gefährten mit der Zeit richtig ans Herz wachsen. Auch die Grafik strotzt nur so vor Lichteffekten und allerlei warmen Farben, die dafür sorgen, dass man sich in dieser idyllischen Welt wohlfühlt. Allerdings muss man dabei auch erwähnen, dass die Grafik trotz allem nicht an andere Genrevertreter heranreicht. Untermalt wird die tolle Atmosphäre Aventuriens durch einen stimmigen Soundtrack und gute Soundeffekte.

Fazit

Drakensang ist ein gelungenes Rollenspiel mit einer tollen Atmosphäre und einer glaubhaften Spielwelt. Allerdings muss man darauf gefasst sein, dass einem hier ein sehr gemütliches Spiel erwartet. Fans actiongeladener Rollenspiele werden wohl kaum über ein paar Spielstunden hinauskommen. Wer allerdings auf liebenswürdige, teilweise auch kauzige Charaktere und abwechslungsreiche Quests Wert legt, der sollte Am Fluss der Zeit auf jeden Fall testen.

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