Kritik | Alpha Protocol

19. Juni 2010 | 0 Kommentare
Titel:
Alpha Protocol
Redaktions-Wertung:
Publisher:
SEGA
Plattform:
XBox360, PS3, PC
LeserInnen-Wertung:
Release:
28.05.2010
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Genre:
USK:
keine Angaben

Die Entwickler von Obsidian haben Rollenspielern vor nicht allzu langer Zeit in anderen Welten schöne Stunden beschert. Gemeint sind damit Hits wie Neverwinter Nights und Knights of the Old Republic. Jetzt führen sie uns in ein neuzeitliches mehr oder weniger reales Szenario. Die Spionage-Action-Welt wurde bisher nur selten im RPG-Genre verwendet, daher ist Alpha Protocol eine Neuheit. Ob diese Neuheit auch fesselt, werde ich euch jetzt offen legen.

Michael Thornton ist unser Protagonist, der US-Agent gerät in eine Verschwörung, die ihm ab sofort den Job nicht leicht macht. Er wird von seinen bisherigen Chefs verstoßen und gilt jetzt als Ziel. Doch so leicht gibt der Superagent natürlich nicht auf und macht sich daran, das komplexe Puzzle zu lösen und die Schuldigen ausfindig zu machen. Umso länger man im Einsatz ist, desto mehr Gruppierungen und Leitfiguren treten aus dem Schatten ins Licht der weltweiten Verschwörung. Wer mit fortlaufender Spieldauer nicht regelmäßig im Dossier stöbert, in dem alle gefundenen Informationen zu den verwickelten Fraktionen und Personen für die Ewigkeit festgehalten werden, versteht vielleicht gar nicht, was er da eigentlich macht.

Alpha Protocol

Alpha Protocol ist ein geheimes Netzwerk, das Thornton als Rückzugsmöglichkeit dient. Erfreulicherweise können wir dabei Verbündete gewinnen, die unsere Missionen organisieren und uns mit Ausrüstung ausstatten. Allerdings müssen wir uns dazu erst für würdig erweisen. Dies kann, nehmen wir das Beispiel der Journalistin Scarlet, etwa so aussehen, dass wir der rothaarigen Schönheit Informationen zukommen lassen oder mithilfe unserer Überzeugungskraft in Form von Redekunst überzeugen. Das Dialogystem ist sehr motivierend und stellt uns jedes Mal vor neue Entscheidungen, die wir innerhalb eines Zeitlimits treffen müssen. Dadurch wird oft Spannung erzeugt, in der wir z.B. viele Opfer vor einem Bombenanschlag retten. Je nach Verlauf von Gesprächen wird auch entschieden ob Personen im weiteren Spiel zu euren Freunden oder Feinden werden.

Am Anfang muss eine Charakterart gewählt werden, die Fertigkeitspunkte auf die entsprechenden Kategorien wie Tarnen, Sabotage usw. verteilt. Agent Thorton können wir anschließend nach unserem Geschmack bekleiden und schminken, sogar Bräunungscremes stehen zur Verfügung. Jetzt kann’s endlich los gehen, und wir können mit unserem Agenten Orte auf der ganzen Welt besuchen. Dabei bietet jeder Ort einen Unterschlupf von dem aus wir unsere Missionen planen können. Waffen, Modifikationen und Ausrüstung kann dabei beliebig gekauft werden. Die Wahl der Ausrüstung und der Kleidung ist entscheidend und kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Dabei spielt es natürlich auch eine Rolle ob ihr leise oder mit brachialer Gewalt vorgeht. Per E-Mail-Kontakt und Videokonferenz hält der Agent die Verbindung zu seinen Verbündeten und erhält Infos für die aktuellen Missionen. Für gut abgeschlossene Missionen können wir Extras erwerben. Die Reihenfolge der Missionen kann gewählt werden. Dies ist besonders motivierend, da es Auswirkungen auf die Story hat.

Das Auge isst mit

Die Motivation für uns Spieler ist also ganz gut gelungen, nicht ganz so ist es mit der grafischen Darstellung des Spionage-Thrillers. Texturen und Animationen können im Vergleich mit Splinter Cell oder Mass Effect 2 in keinem Fall mithalten. Es sieht alles etwas zu verwaschen und plump aus. Effekte wie Explosionen sind optisch von vorgestern und Wasser- und Lichteffekte sind auch nicht sehr eindrucksvoll. Das ist leider noch nicht alles, denn die gesamte Spielwelt wirkt nicht nur leblos sondern beinhaltet wenige Details die das Gesamtbild leider schon fast auf Arcade-Spiel-Niveau drückt. Soundtechnisch bietet Alpha Protocol auch nicht sehr viel. Der Soundtrack ist unspektakulär, kann aber gegenüber der Geräuschkulisse überzeugen. Die Sprachausgabe ist gut, aber die Untertitel laufen oft viel zu schnell über den Bildschirm.

Höhen und Tiefen im Gameplay

Die Spielwelt ist groß, aber keinesfalls frei begehbar. Alpha Protocol läuft weitestgehend linear ab, es gibt aber oft alternative Wege die Missionen zu lösen. Die häufigen Erfolgserlebnisse bieten allerdings eine Menge Spaß und verleihen dem Spiel Dynamik. Leider wird genau diese Dynamik oft durch die K.I. zerstört. Manche Gegner entdecken uns bevor wir sie überhaupt gesehen oder gehört haben, andere lösen prophylakitsch Alarm aus oder kehren uns im offenen Feuergefecht auf einmal den Rücken zu. Die Action-Szenen bieten dennoch viel Spaß, das begründet sich durch die Spezialfähigkeiten und Gadgets die zum Einsatz kommen, und dem durchaus motivierenden Zielsystem mit kritischem Schuss usw. Eintönig wird es somit nicht und ihr könnt euch auch auf einige Bossgefechte freuen.


Fazit

Obsidian bietet ein innovatives Spiel, das neue Ideen mitbringt aber oft durch Schwächen auffällt. Insgesamt hat es Alpha Protocol nicht zu einem Top-Titel geschafft, das liegt vor allem an den K.I. –Aussetzern und der schwachen Grafik. Motivation bietet der Spielverlauf aber auf jeden Fall und auch Rollenspieler werden sehr gut bedient. Schusswechsel machen Spaß und die vielen Erfolgserlebnisse und Entscheidungsauswirkungen sind überzeugend. Trotz aller Schwächen kann dieses Abenteuer also bis zum Schluss unterhalten.

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