Kritik | Picross 3D

16. Mai 2010 | 0 Kommentare
Titel:
Picross 3D
Redaktions-Wertung:
Publisher:
Nintendo
Plattform:
Nintendo DS
LeserInnen-Wertung:
Release:
5. März 2010
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USK:
keine Angaben

Die Geschichte des Picross ist lang. Sie geht zurück in das Jahr 1989, als die Designerin Non Ishida ein Zahlenrätsel erfand, das gemäß ihrem Namen „Nonogramm“ getauft wurde. Nachdem mehrere Bücher mit Nonogrammen veröffentlicht wurden, folgte 1995 der Schritt in die Videospielwelt. „Mario’s Picross“ war der Grundstein einer der erfolgreichsten Rätsel-Reihen von Nintendo, die sich über all die Jahre nie großartig verändert hat. Bis jetzt. Denn in „Picross 3D“ kommt zum ersten Mal die dritte Dimension zum Einsatz. Jetzt gilt es, dreidimensionale Figuren aus einem Quader herauszulösen, anstatt bloß flache Bilder als Lösung zu erhalten. Inwiefern das das Spielprinzip verändert, erfahrt ihr im Folgenden.

Grundlage eines normalen Nonogramms ist ein Rechteck, das genau wie ein kariertes Blatt in Kästchen aufgeteilt ist. Am Rand jeder Kästchenreihe stehen Zahlen, die aussagen, wie viele Kästchen der jeweiligen Reihe zu dem Ergebnisbild gehören. Jetzt muss man alle Kästchen, bei denen sicher ist, dass sie entweder zum Bild gehören oder gestrichen werden können, entsprechend markieren. Steht hinter einer Reihe z.B. die Zahl Null, kann man alle Kästchen der Reihe wegstreichen. Verfeinert wird das Ganze dadurch, dass in manchen Reihen vorgegeben ist, ob die zum Bild gehörenden Kästchen alle nebeneinander stehen oder ob sie in zwei Gruppen aufgeteilt sind. Wer das Ganze mal ausprobieren will, findet hier verschiedene simple Nonogramme.

„Picross 3D“ ist im Prinzip das Gleiche. Bloß gibt es hier, wie bereits erwähnt, noch zusätzliche Reihen, die nach hinten verlaufen. Der dadurch entstandene Quader ist aus kleinen Würfeln aufgebaut. Am Ende der meisten Würfelreihen steht auch hier wieder eine Zahl, die angibt, wie viele Würfel der Reihe zum Ergebnis gehören. Die Vorgehensweise ist die gleiche wie bei einem zweidimensionalen Nonogramm. Alle Reihen, an deren Ende eine Null steht, können also entfernt werden. Und eine Reihe, die z.B. aus fünf Würfeln besteht und auch eine Fünf an ihrem Ende stehen hat, kann komplett markiert werden. Durch diese Markierung wird verhindert, dass man die Würfel aus Versehen entfernt. Neben den normalen Zahlen gibt es zudem auch Zahlen im Kreis und Zahlen im Quadrat. Diese geben weitere Informationen über die Lage der zur Lösung gehörenden Würfel. Steht eine Zahl im Kreis, bedeutet das, dass die Würfel nicht nebeneinander, sondern aufgeteilt in zwei Gruppen stehen. Eine Zahl im Quadrat hingegen zeigt, dass sie in mindestens drei Gruppen aufgeteilt sind. Wenn die Quader in fortgeschrittenen Levels zu groß werden, kann man auch ihre einzelnen Schichten betrachten, um die Würfel zu markieren bzw. zu löschen, die von außen nicht sichtbar sind.

Das Tutorial das Spiels ist sehr ausführlich, und manchmal hat man das Gefühl, dass die Erklärungen ziemlich unnötig sind und man eigentlich sofort losspielen könnte. Doch schon in den ersten Beispiellevels wird klar, dass man ohne die Hilfe ziemlich dumm dastehen würde. Das Tutorial macht seinen Job jedoch sehr gut und rüstet den Spieler mit genau dem Wissen aus, das er für das Spiel benötigt. So lernt man bestimmte Kniffe, ohne die man schon früh an den Rätseln scheitern würde. Wenn eine Reihe z.B. aus fünf Würfeln besteht und am Ende eine Drei steht, ist sicher, dass der mittlere Würfel zur Lösung gehört. Und wenn sich vier Würfel in einer Reihe befinden, an deren Ende eine Drei im Kreis steht, weiß man, dass der erste und der letzte Würfel der Reihe zur Lösung gehören. Nonogramm-Veteranen würden zwar wahrscheinlich auch ohne derartige Erklärungen ins Spiel einsteigen können, doch für Neueinsteiger wie mich ist das Tutorial des Spiels absolut perfekt.

Jedes Level in „Picross 3D“ ist mit einem Zeitlimit versehen. Allerdings hat man so viel Zeit, dass man den Zähler oben rechts eigentlich gar nicht beachten muss. Eigentlich. Denn nur wenn man ein Level innerhalb des grünen Bereichs des Zählers löst, kann man die volle Punktzahl erlangen. In jedem Level gibt es drei Sterne zu holen. Einen für das bloße Lösen des Rätsels, einen für das fehlerfreie Lösen und einen Dritten für das schnelle Lösen. Mit diesen Sternen schaltet man Bonus-Levels frei, die einen am Ende einer Stufe erwarten. Zudem gibt es spezielle Rätsel, die mit Sonderregeln versehen sind. In „Sichere Hand“ geht es darum, das Rätsel fehlerfrei zu lösen, da hier anstatt der üblichen vier Fehler kein einziger Fehlversuch toleriert wird. „Schnelle Hand“ hingegen gibt dem Spieler nur ein sehr kurzes Zeitlimit, das durch gelöste Würfel verlängert wird.

Die Aufmachung des Spiels ist sehr schön. Aus jedem der Rätsel ergeben sich Gegenstände oder Lebewesen, die in eurer Sammlung gespeichert werden. Diese sind logischerweise komplett aus Würfeln aufgebaut, was sie noch charmanter macht. Außerdem muss man anmerken, dass die Entwickler bei den Figuren alles andere als einfallslos waren. Man erhält nicht bloß gewöhnliche Dinge wie Schuhe oder Bälle, sondern auch ziemlich ausgefallene Sachen wie z.B. eine Melodika, eine Ruderschnecke oder ein Teil namens „Koma“, von dem ich noch immer nicht weiß, was es eigentlich ist, da Google bloß Informationen über das altbekannte Koma ausspuckt.

Ebenfalls bemerkenswert ist der extrem hohe Suchtgrad des Spiels. Man sollte niemals auf die Schnapsidee kommen, mal eben vor dem Einschlafen noch ein Rätsel zu lösen, da man dann mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit die halbe Nacht völlig übermüdet und mit verkrampften Händen vor dem DS klebt. Jeder der mit Rätseln auch nur ansatzweise irgendetwas anfangen kann, wird bei „Picross 3D“ zwangsläufig in den folgenden Gedankenmonolog geraten:

„So, jetzt noch ein Rätsel, dann bin ich fertig.“…

„Ach, das ging jetzt aber schnell, da mach ich lieber noch eins.“…

„Wenn ich so drüber nachdenke, könnte ich eigentlich noch ein Rätsel machen. Und danach noch eins, kann ja nicht schaden.“…

Erst der schwindende Akku des DS kann diesen Bann Stunden später brechen und dem Spieler eine Auszeit gönnen. Ob man das jetzt als Vor- oder nach Nachteil des Spiels werten will, bleibt jedem selbst überlassen.

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Fazit: Eigentlich sollte neben dem USK-Zeichen noch ein besonders großes Zeichen mit der Aufschrift „Suchtgefahr“ stehen. Selten hat mich ein so simples Spielprinzip so sehr gefesselt, wie das von „Picross 3D“. Das Prinzip der Nonogramme um die dritte Dimension zu erweitern, ist eine der simpelsten, aber gleichzeitig auch besten Ideen, die die Entwickler hätten haben können. Wenn es ein Spiel schafft, mich stundenlang an den DS zu fesseln, ohne dabei auch nur einmal das Spielprinzip zu verändern, hat es ohne Zweifel die vollen 10 Punkte verdient.

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