Kritik | Yoshi’s Story
Ein Nachfolger ungleicher Art: Die offizielle Fortsetzung von “Super Mario World 2: Yoshi’s Island”, genannt “Yoshi’ Story”, kommt ganz ohne Mario aus und wird zum ersten Soloabenteuer der bunten Dinos. Neben einem Wechsel von SNES zum Nintendo 64, und dem damit verbundenen Wechsel von 2D zu 3D (in diesem Fall 2.5D, doch dazu später mehr), wurden viele Elemente gestrichen oder hinzugefügt. Mit der Hoffnung auf ein tolles Jump ‘N’ Run, wagen wir uns an den Controller…
Der Schurke Bowser, der spätere Rivale von Mario, heizt in seiner Jugendzeit den possierlichen Yoshis ziemlich ein: Ihre Heimat “Yoshi’s Island” wurde dreisterweise in ein Bilderbuch verwandelt, welches den Namen “Yoshi’s Storybook” trägt, was den Titel des Videospiels natürlich erklärt. Die bunten Gehilfen Marios stürzen sich in jenes Buch hinein, mit den Ambitionen, ihre Insel wiederzuerlangen und die Quelle der Fröhlichkeit zurückzuholen, den Happy Tree. Er birgt nicht nur alle erdenklichen essbaren Früchte, sondern auch die magische Herzfrucht, welche heilende Kräfte in sich birgt.
In jenem Bilderbuch entspricht eine Doppelseite einer Welt. Ingesamt gibt es 6 Welten, jede beinhaltet 4 Level. Mit dem Absolvieren eines Levels springt man aber schon zur nächsten Welt, was bedeutet, dass man zum Durchspielen nur sechs Level beenden muss. Sammelt man jedoch in einem Level zwei Herzen, darf man im nächsten Turnus, welcher wie erwähnt sechs Level enthält, das zweite Level dieser Welt spielen. Bei drei Herzen wird das dritte Level freigeschaltet und bei vier Herzen logischerweise das vierte Level. Für viele ist dies aber schon zu wenig. Die Art der Doppelseiten erstreckt sich von Höhle über Vulkan bis hin zu einem Dschungel.
Kommen wir zum Spielprinzip. Erst einmal muss man erwähnen, dass die Level kein bestimmtes Ende haben. Erfüllt ist das Level erst bzw. schon, wenn Yoshi dreißig Früchte verschlungen hat. Neben den fehlenden Verwandlungen hat sich auch das System des Überlebens geändert: Eine Blume in der linken oberen Ecke zeigt an, wie es um den Dino momentan steht. Verletzt sich Yoshi, so fallen der Blume Blütenblätter ab und ihr Gesichtsausdruck verändert sich von einem glücklichen Lachen zu einer traurigen Miene. Mampft Marios besattelter Freund jedoch Obst, so erstrahlt das Blümchen wieder in neuem Glanz, woraufhin sich die Blüten wieder erneuern. Natürlich gilt es neben dem Sammeln des Obstes, Feinde plattzumachen und leichte Rätsel zu lösen.
Als erstes wählt man im Story-Modus seinen Dinosaurier in der passenden Farbe aus, als nächstes wird die “Lucky Fruit” bestimmt, welche entweder ein Apfel, eine Banane, eine Melone oder ein Weintraubenzweig sein kann. Wenn diese Frucht gegessen wird, füllt sich die Lebensanzeige komplett auf. Die feindseligen Wesen, die unseren knuffigen Protagonisten über den Weg laufen, haben eine Bandbreite von Shy Guys, über riesige Knochenwürmer bis zu wegversperrenden Elefanten oder über den Boden fleuchenden schneckenartigen Schleimlebewesen. Das Leveldesign ist ein origineller Hingucker, denn es besteht immer aus Materialien wie Pappe, Denim, oder sogar Zeitungen. Dass alles dabei sehr kinderfreundlich und bunt getrimmt ist, sticht sofort ins Auge. Wieder zum Fremdwort 2.5 D: damit ist die Mischung aus Zweidimensionalität und Dreidimenionalität gemeint, in unserem Fall ist der Hintergrund 2D, während die Objekte, zu denen auch die Helden und Feinde gehören, dreidimensional modelliert wurden. Und dies sogar gut. Das Spiel an sich ist ein Sidescrollendes Spiel, es gibt also keinen sandkastenartigen Spielraum – man läuft einfach nach rechts, um neue Gebiete zu entdecken oder nach links, um zurückzugehen. Im Gegensatz zu “Super Mario World” sucht man nach Münzblöcken vergebens, auch Koopapanzer sind nicht zu finden. Die Kostüme und Pilze sind auch gewichen – ersetzt wurden sie durch “?-Blöcke”, die zufällige Ereignisse hervorrufen, oder andere neuen Ideen. Doch schafft man ein Level nicht, entführt Baby Bowser den jeweiligen Yoshi. Der nächste Versuch wäre dann mit einem anderen Yoshi zu machen. Sind alle Yoshis in des Erzfeindes Gewalt, so wird der Spielfortschritt im Storymodus komplett gelöscht. Eine Gemeinsamkeit sind aber die Bossgegner, welche auch bei “Yoshi’s Story” nicht flöten gegangen sind.
Die Steuerung ist tadellos und sehr einfach, einzig die Stampfattacken erfordern Timing. Wie bei fast jedem Spiel steuert ihr den Charakter mit dem Control Stick. Der A-Knopf erledigt die Sprünge, auch ein Doppelsprung ist möglich, allerdings kann man es dann eher als schweben bezeichenen. die Zungenstrecker werden mit dem B-Knopf ausgelöst, die Richtung wird auch mit dem Control Stick festgelegt. Gegner kehren dann als den Yoshis hinterherhüpfende Eier wieder, Verwendung finden sie als Wurfgeschosse. Wird Z gedrückt, bestimmt man wieder mit dem Stick die Richtung und sobald der Z-Trigger auf der Rückseite des Nintendo 64-Controllers losgelassen wird, feuert der Dino mit Schmackes die Eier gegen Objekte wie Seifenblasen, in denen Früchte lagern, oder zur Verteidigung gegen Angreifer. Hindernisse können auf diesselbe Weise aus dem Weggeräumt werden. Eine Stampfattacke wird durch das Herunterziehen des Control Sticks nach einem Sprung ausgelöst. Mit dem rechten Trigger kann der niedliche Saurier seltene Dinge wie Früchte erschnüffeln.
Außer dem “Story-Modus” gibt es noch den “Trial-Modus”, in welchem man die bereits in der Story geschafften Level erneut spielen kann, mit dem Ziel, die höchste Punktzahl zu erreichen. Ein Übungsmodus für Einsteiger wird man auch zu sehen bekommen.
Die Grafik ist für N64-Verhältnisse phänomenal, alles ist sehr gut gelungen. Selbiges gilt für die Musik: Tropfende Sounds und viel Echo untermalen die Höhlenlevel, während im Dschungel Bongos und Gitarren, die an Reggae erinnern, den Spielgenuss aufrecht erhalten. Jeder Ort bekommt also eine eigene Musik. Hörenswert ist dies allemal. Die Soundeffekte bei Aktionen wie einem Sprung oder dem Einverleiben von Feinden klingen etwas nach Sendungen wie “Tom & Jerry”. Viele Bewegungen werden auch von Yoshi kommentiert, mit einem angestrengten “Ha!” beim Wurf beispielsweise. Sogar das Intro wurde komplett den Dinos überlassen. Generell überwiegt ein warmes, tropisches Feeling. Mit dem Wort “niedlich” hat man bereits die Atmosphäre zusammengefasst.
Fazit
Eine große spielerische Herausforderung birgt “Yoshi’s Story” zwar nicht, doch wenn man mit der kindgerechten Präsentation leben kann und das Spiel nicht mit dem Vorgänger vergleicht, der sich zumal deutlich unterscheidet, so wird man definitv einige spaßigen Stunden haben. Ein sehr originelles Spiel, welches dummerweise als Nachfolger des hochgelobten “SMW: Yoshi’s Island” angekündigt wurde, dessen Erwartungen es nicht erfüllen konnte. Dennoch ein Highlight auf Nintendos erster 3D-Konsole und auch auf der Virtual Console der Wii.
The Flash Player and a browser with Javascript support are needed..




