Kritik | Wario Land 2
Als eines der letzten Game Boy-Spiele erschienen, musste es jedoch Farbe bekennen und wurde für den Game Boy Color neu aufgelegt. Warios zweiter Solo-Ausritt, pardon, Solo-Aushüpf sollte sich dank neuer Ideen komplett vom Vorgänger unterscheiden. Wenn ihr wissen wollt, wie es um die Qualität der Einfälle steht, dann müsst ihr schon weiterlesen…
Captain Syrup, bereits bekannt aus dem Vorgänger, bricht seelenruhig mit ihren Schergen in des Dickwansts Schloss ein und nimmt sich alle seine ergaunerten Schätze. Um Wario, die personifzierte Habgier, aufzuhalten, dreht sie einen riesigen Wasserhahn auf – das gesamte Gebäude ist schnell geflutet. Währenddessen schlummert unser schnurrbärtiger Charakter weiter, selbst als der Wecker ertönt.
Hier greift ihr ins Geschehen ein – oder auch nicht, womit wir schon beim ersten Clou wären: Viele Möglichkeiten im Storypfad ermöglichen multiple Enden. Es bleibt beispielsweise euch überlassen, Wario zu wecken und die Angreifer zu verfolgen oder in einfach liegen zu lassen, sodass sogar sein Schloss unter den Nagel gerissen wird. Sobald ihr einen Zweig abgeschlossen habt, könnt ihr sehen, wo alle Verästelungen zu finden sind. Eure Entscheidungen oder versteckte Türen offenbaren neue Wege.
Ein grundlegender Unterschied zum Vorgänger kann schnell ausgemacht werden: Ihr könnt nicht sterben. Berührt ihr einen Gegner, so wird Wario zurückgeschleudert, ein unangenehmes Geräusch ertönt und einige Münzen bleiben auf der Strecke. Fehlende Sterblichkeit schließt also Hüte aus, dafür gibt es jedoch die Verwandlungen: Lasst euch von einem Hammer zu einem hauchdünnen Wario zerquetschen und weite Abgründe können überwunden werden – ihr schwebt wie eine Feder. Darüber hinaus gibt es noch den dicken Wario, den kleinen Wario, Zombie-Wario, den aufgeblasenen Wario, selbigen in einer Seifenblase, als herumlaufende Flamme oder sogar als schwindeligen bzw. in der japanischen Version betrunkenen Wario. Ein vereister Protagonist, mit der daraus resultierenden Bewegungsunfähigkeit, ist ebenso zu finden wie ein Hammer, der dem Bruder von Waluigi den Zwang zum Springen verleiht, wenn er sein Ziel trifft. Manchmal muss man durch absichtliche Verwandlungen Rätsel lösen, was sich schön einfügt und viel Freude bereitet.
Das Leveldesign schwankt zwischen Schloss, Stadt, Wald und Industrie. Ihr könnt euch in Höhlen oder im See im Wald austoben und überdies auch auf einem fahrenden Zug eure Schätze suchen. Da ihr keinen “richtigen Schaden” nehmen könnt, gestalten sich die Bosskämpfe auch anders. Ihr müsst wie in anderen Spielen auch die Schwachstelle des Gegners finden und sie nutzen. Auch das Werfen von Gegenständen kommt zum Tragen, bei stärkeren Gegner empfiehlt sich das anfängliche Ausweichen, bis ihr den Feind analysiert habt. Doch treffen diese euch, werdet ihr simplerweise aus dem Bildschirm hinauskatapultiert und könnt wenige Sekunden später schon euren nächsten Versuch wagen – ewig langes Level wiederholen bleibt euch also erspart, welch ein Segen! Wer behauptet, die Bosse seien einfallslos und viel zu einfach, der sollte mal gegen einen Hasen Basketball spielen. Ja, ihr habt richtig gelesen. Leider bieten die Level an sich aber nicht ausreichend Forderung.
In den Stages gibt es auch noch Minispiele, für die ihr Münzen benötigt. Je mehr Münzen ihr zahlt, desto einfacher wird es. Ein Bild von einem Gegner wird gezeigt und für einen Bruchteil einer Sekunde werden 8 Bilder aufgedeckt. Euer Ziel besteht darin, jenes Portrait wiederzufinden. Zur Belohnung erhaltet ihr einen Teil aus Wario Schatz. Am Ende jedes Levels müsst ihr ebenfalls ein Minispiel absolvieren, sodass ihr einen Teil einer Schatzkarte erhaltet. Eine neue Welt wartet auf euch, wenn alle Teile in eurer Sammlung sind.
Die Steuerung ist nicht schwer, der A-Knopf lässt Marios Erzrivalen springen, der B-Knopf hingegen löst Warios unverkennbare Attacke aus, er rennt mit dem Ellbogen vorraus mitten in die Gegner oder Hindernisse. Drückt ihr nach dem Sprung das Steuerkreuz nach unten, wird infolgedessen eine Stampfattacke ausgelöst, die den Boden unter ihm zerstören kann.
Knackscharfe Grafiken, passendes Design. Die Umgebung ist nichts Neues, dennoch gut – kreative Charaktere sind aus dem Vorgänger bereits bekannt. Die Musik ist wohlklingend und unterstützt das Spielgefühl. Natürlich besteht sie fast nur aus Synthesizermelodien, wobei dies nicht negativ zu verstehen ist.
Fazit
Im Gegensatz zu Rotnase Wario solltet ihr dieses Spiel nicht verpennen, denn die Innovationen stellen die genreytipschen Regeln auf den Kopf: Unbesiegbarkeit lautet das Stichwort. Das Sammeln der Schätze und der verzweigte Storypfad machen nicht nur Spaß, sie setzten Maßstäbe für andere Hüpfspiele. Einzig der Schwierigkeitsgrad ist zu niedrig angesetzt worden. Entscheidet euch also zwischen dem Nachfolger, Wario Land 3, oder diesem ebenfalls hauseigenen Nintendokracher. Man kann es nicht nur Jump ‘N’ Run-Fans ans Herz legen, auch alle anderen Spieler sollten Gefallen daran finden.
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