Kritik | So Blonde – Zurück auf die Insel
Ein Point And Click-Adventure. Eine vergessene Insel. Viele Piraten. Hauptcharakter? Blond und trottelig, aber witzig. Klingt doch sehr stark nach der wahrscheinlich berühmtesten Serie dieses mittlerweile verschollenen Genres, Monkey Island. Jetzt gilt es, die Unterschiede aufzuzeigen. Die Suchergebnisse findet ihr, wenn ihr weiterlest…
Alles beginnt auf einer Luxuskreuzfahrt: die siebzehnjährige Schönheit Sunny Blonde reist mit ihren stinkreichen Eltern durch die Welt und langweilt sich. Während sie mit einem der wenigen Jugendlichen an Bord flirtet, braut sich ein Unwetter zusammen. Durch dieses verursacht, schwappt eine Welle ruckartig gegen das Schiff und lässt es dermaßen schwanken, sodass das Mädchen über Bord fällt. Am Strand einer unbekannten Insel angeschwemmt, geht die Heulerei los: Handtasche, Handy und Make-Up fehlen, alles andere ist Nebensache. Sonniges Gemüt, verzogen und frenetisch besessen von ihrem Aussehen. Dazu noch eine Prise Tollpatschigkeit, eine Handvoll Doofheit. Herauskommt die klischeehaftige Blondine; es liegt nun an euch ihr zu helfen, von der Insel wieder zu entkommen. Auf eurem Weg begegnen euch die bereits erwähnten Piraten und anderes Gesindel, aber auch nette Dorfbewohner. Zwischenzeitlich schlüpft ihr in die Rolle des mysteriösen Nathaniel. Was es mit ihm auf sich hat, wird nicht verraten. Schließlich wollen wir euch nicht die Spannung verderben, welche gekonnt von Steve Ince aufgebaut wurde, der für seine Skripts mit Preisen belohnt wurde, wie auch für die PC-Version von “So Blonde”.
Durchgehend dreht sich dieses Spiel um Rätsel, die ihr löst, wenn ihr Gegenstände findet, kombiniert und zur richtigen Zeit einsetzt. Meistens bilden sich Aktionsketten: Findet einen Teleskopstock, holt damit eure Tasche vom Baum, aus dieser ihr wiederum euer Schminkkästchen herausklaubt. Jenes könnt ihr wieder für die Lösung eines anderen Problems benutzen. Mit solch einer Technik und etwas Logik baut ihr euch Messer, Angel, Spiegel und weitere Dinge. An der Spielmechanik ändert sich rein gar nichts, nur eure Beweggründe variieren. Erfüllt Aufträge, befreit euch aus der Gefangenschaft, macht euren Weg frei oder ergattert neue Objekte. Leider haben sich gelegentlich Absurditäten eingeschmuggelt, bisher ist mir nämlich keine Person begegnet, die mit einer Feder als Köder Fische fängt. An einigen Stellen springen Minispiele mitten ins Geschehen, so gilt es nach dem Herunterfallen eines Amuletts die Scherben wieder aneinanderzukleben, was durch WiiMote-Einsatz bewirkt wird. Solltet ihr weder Lust noch die nötige – zugegebenermaßen sehr kleine – Portion Geschicklichkeit besitzen, bietet sich direkt die Schummeln-Funktion an. Den Haken bei der Sache sucht ihr vergeblich, bis auf ein paar Buhrufe passiert nichts weiter.
Apropos Hilfe: Per Knopfdruck lassen die Hotspots anzeigen, wo die jeweiligen Objekte zu finden sind. Dies erleichtert das Spiel zwar schon ungemein, weil die sogenannten Hotspots (Bereiche, in denen euer Zeiger sich verändert, Anm. d. Red.) spärlich bemessen sind, ab und zu gibt es noch andere Probleme. Was ihr verbinden und wo einsetzen müsst, erfahrt ihr selten durch den Dialog mit den Dorfbewohnern. Wenn nicht, könnt ihr das Videospiel eigentlich schon weglegen: In den häufigsten Fällen hängt alles an einem Gegenstand, es gibt also immer nur eine Möglichkeit voranzuschreiten. Dies sind Tücken des Genres. Auf der anderen Seite ist die Tatsache erfreulich, dass ihr multiple Aufgaben gleichzeitig bewältigen könnt, was Laufwege immens verkürzt. Eure Aufträge könnt ihr jederzeit Tagebuch nachlesen. Ein weiterer Pluspunkt ist die permante Speicherfunktion.
Optisch hätte Wizarbox viel mehr reißen können. Gut gelungen sind die großartig gezeichneten Hintergründe, völlig aus dem Stilkonzept hingegen sind die Charaktere. Erste Frage: Warum benutzt man hier Dreidimensionalität? Zweite Frage: Wieso setzt man dies so schlecht um? Schwammig verwaschene Texturen, arg kantige Modelle mit gefühlten 10 Polygonen. Auch die dazugehörigen Animationen sind alles andere als rund. Da wären viele gezeichnete Posen von Sunny eindeutig passender und schöner. Musikalisch werden keine Bäume ausgerissen, als Untermalung genügen die tropischen Klänge jedoch völlig. Nicht zuletzt dank der guten Synchronisation, die so viele Spiele in letzter Zeit missen lassen. Besonders auffallend ist die frech-humorige Art von Sunny, die mit kecken oder doofen Sätzen ein Schmunzeln auf das Gesicht des Spielers zaubert; die versteckten Referenzen zu anderen Medien sorgen genauso für Lacher. Steuerungsmäßig gibt es keinen Grund grantig zu werden, alles geht flott von der Hand. Die Remote kontrolliert den Zeiger, der A-Knopf macht den Rest.
Fazit
Endlich wieder ein Point And Click-Adventure abseits des PC-Dschungels. Man sollte auf jeden Fall mal einen Blick riskieren, die Gegenstandssuche mit der Blondine kann auch dank des großen Umfangs einige Stunden Spaß bereiten. Wer bombastische Grafik und Musik sucht, der ist hier definitiv falsch, hier überzeugt fast nur das Spielkonzept. Dank der Hilfen sollten sich Neulinge ebenfalls zurechtfinden. Viele Elemente ähneln Monkey Island zwar, doch dies ist beim Piratenthema unumgänglich. Deswegen dürfen Rätselfans gerne zuschlagen.



