Kritik | Prince Of Persia: Die vergessene Zeit
Der erste Auftritt des persischen Prinzen auf der neuen Konsolengeneration im Jahr 2008 lief alles andere als glatt. Eintöniges Gameplay, Cell-Shading Grafik, kaum Kämpfe und noch so manch anderes wurde Ubisoft von den Fans vorgeworfen. Und was macht man, wenn das Neue nicht ankommt? Richtig, man besinnt sich auf die Stärken vergangener Tage. Genau das nahmen sich auch die Entwickler von Ubisoft Montreal vor und kündigten eine Rückkehr zur großartigen “Sands Of Time” Reihe an. Passend zum neuen Kinofilm steht nun also auch das Videospiel im Laden. Ob der Prinz damit an alte Erfolge anknüpfen kann, sehen wir jetzt.
Verdammter Sand
Zeitlich ist “Prince Of Persia: Die vergessene Zeit” zwischen Teil 1 und 2 der “Sands Of Time” Serie angesiedelt. Tatsächlich wirkt die Story aber eher notgedrungen irgendwo dazwischen gequetscht und nicht gerade passend, was jedoch nicht heißen soll, dass das Spiel nicht auch gut für sich alleine stehen kann. Der Prinz ist gerade zu Besuch bei seinem Bruder Malik, der hier das erste Mal in einem PoP Spiel mit dabei ist. Jedoch hat Malik, natürlich ebenfalls arabischer Blaublüter mit eigenem Reich, ein kleines Problem: sein Volk wird von einem übermächtigen Feind angegriffen, die Stadt droht verloren zu gehen. Als letztes As zieht Malik ein Amulett aus dem Ärmel, mit dem er eine mächtige Sandarmee zum Leben erwecken kann und mit ihrer Hilfe den sicheren Untergang zu verhindern. Leider haben die Jungs aus Sand andere Pläne und so gerät die Situation völlig außer Kontrolle. Nun wollen nicht nur die angreifenden Nachbarn sondern auch die magischen Wesen Malik ans Leder, zerstören was ihnen in den Weg kommt und versteinern die komplette Bevölkerung. Zu allem Unglück zerbricht auch noch das Amulett, mit dem man das Ganze wieder rückgängig hätte machen können, in zwei Teile, von denen jeder der beiden Prinzen einen an sich nimmt. Dummerweise werden die beiden getrennt und so beginnt eine Jagd durch die Palastmauern.
Nachdem sich die beiden endlich wiedergefunden haben, muss unser Held leider feststellen, dass die Magie des Anhängers von seinem Bruder Besitz ergriffen hat. Dieser weigert sich nicht nur seine Hälfte heraus zu rücken, er verwandelt sich auch nach und nach in eine mächtige Sagengestalt und legt sein eigenes Reich in Schutt und Asche. Von innerlichen Zweifeln geplagt, ob er seinem Bruder helfen kann oder ihn bekämpfen muss, macht sich der Prinz nun mit Unterstützung eines Wasser-Djinns auf, alleine all den sandigen Kreaturen gegenüber zu treten… Das alles klingt doch nach einer vielversprechenden Geschichte, ist in der Umsetzung dann leider nicht ganz so überwältigend, aber immer noch gut genug, dass man interessiert am Ball bleibt. Gerade die Frage, ob man den Bruder noch retten kann, macht das fast schon märchenhafte Spiel bis zum Schluss spannend.
Jump around
Vom Gameplay her hat sich an sich nichts großartig verändert. Ziel ist es nach wie vor durch die mit vielen Fallen versehene orientalische Architektur zu rennen, klettern, springen, hangeln, schwingen, rollen und allem, was einem sonst noch so an Bewegung zur Verfügung steht. Zur Abwechslung lockert zwischendurch das ein oder andere Kampfgetümmel und drei Boss Fights das Spielgeschehen etwas auf. Die vielen Jump N Run Einlangen von “Prince Of Persia: Die vergessene Zeit” erwecken anfangs den Eindruck, als würde Ubisoft ein neues Publikum anvisieren, denn im Vergleich zu den alten Teilen fallen sie doch sehr leicht aus und sollten für alte PoP Hasen absolut keine Herausforderung sein. Je weiter man allerdings ins Spiel eintaucht, umso schwieriger wird das alles, später sogar recht tricky. Dies liegt zum Einen an den wirklich toll designten Palasträumlichkeiten, zum Anderen aber auch an den neuen Fähigkeiten des Prinzen. Hier ist es ihm möglich Wasser für eine kurze Zeit erstarren zu lassen, quasi einzufrieren, was man sowohl für die Kletterpassagen als auch für diverse Rätsel benötigt. Etwas seltsam dagegen ist seine Kraft verschwundene Mauerelemente wieder herzustellen, allerdings immer nur ein Teil zur selben Zeit. Zwar gibt dies dem Spiel eine weitere Option mit schnellen Tastenkombinationen verrückte Manöver hinzulegen, aber irgendwie wirkt dies trotzdem etwas befremdlich. Der Sand der Zeit spielt in diesem Spiel leider nur eine Nebenrolle. Hier ist es nicht mehr möglich die Zeit anzuhalten, sondern nur noch sie zurück zu drehen, was benötigt wird, wenn man einmal ins Leere springt, was aufgrund der nicht immer vorteilhaften Kameraperspektive nichts Ungewöhnliches ist.
Das Spektakel des Jump N Run Parts vermisst man bei den Kämpfen leider ein bisschen. Zwar ist es häufig so, dass man gegen eine große Menge Kreaturen ankämpfen muss, die dann auch noch jeweils andere Eigenschaften haben, was ein wenig Taktik fordert, allerdings marschieren und schlagen die meistens so langsam zu, dass man locker die Möglichkeit hat darauf zu reagieren. Außerdem mangelt es doch stark bei den Alternativen, wenn es um die Attacken des Prinzen geht. Leichter Schlag, harter Schlag und Tritt – das war’s! Zwar kann man auf viele Gegner springen und dann in einem akrobatischen Move sein Schwert dahin befördern, wo es hin soll, hilft aber leider nichts gegen die schon bald auftretende Eintönigkeit der Fights. Auch die Boss-Kämpfe bieten eine nur minimal größere Challenge. Im Grunde schlägt man dem Widersacher nur so lange gegen die Beine, bis es ihm endlich einmal weh tut. Ein paar Kombos hätten da sicher gut getan. Aus erledigten Feinden gewinnt man im Notfall neue Lebensenergie, was die Sache doch sehr vereinfacht, außerdem wird die Magie-Leiste aufgefüllt und Erfahrungspunkte verteilt. Da das alles auch in Gefäßen und in versteckten Sarkophagen zu finden ist, wird man quasi nur so überschüttet mit den kleinen Helferlein. Die Erfahrungspunkte werde dazu benötigt neue Kräfte freizuschalten bzw. vorhandene zu verbessern. Ob man das wirklich braucht? Wir sagen nein. Es ist zwar ganz praktisch, wenn man die Energieanzeige vergrößern oder die Zeit des Wasser-Anhaltens verlängern kann, der Rest wirkt dagegen eher zu viel des Guten. Die Angriffe und Verteidigung können mit Erdbeben, Wirbelsturm, einer Spur aus Feuer und einem Panzer verbessert werden, machen aus ihm jedoch einen fast unbesiegbaren Gegner für die Sandgestalten. Noch dazu ist es bei einem Mal durchspielen nicht möglich alle Upgrades zu erhalten. Magische Momente schön und gut, aber nicht so!
Das Setting war ja immer ein großes Plus an “Prince Of Persia” bis der letzte Teil von 2008 völlig auf das arabische Flair verzichtete. Bei “Die vergessene Zeit” schwingen wir nun endlich wieder durch die persischen Gemäuer, die wunderbar detailreich gestaltet sind und durch ihre großräumige Architektur und die vielen Farben gleich den Charme aus Aladdins Zeiten wieder hervorrufen. Zusätzlich wurde versucht so gut es geht Abwechslung hinein zu bringen und die einzelnen Abschnitte anders aussehen zu lassen. Im Palast ist zwar vieles ähnlich, aber eben nicht gleich, noch dazu steigt man später ab in die Stadt der Djinn, die dunkel, mystisch und geheimnisvoll rüberkommt. Die vielen versteinerten Leute zwischendurch sorgen zusätzlich für etwas Dramaturgie. Der Prinz selbst hat sich etwas verändert. Warum? Weiß wohl keiner so genau. Allerdings sieht er nicht so maskulin wie auf dem Cover aus, sondern eher wie ein unerfahrener Jungspund mit seltsamen Blick. Zumindest seine Moves können nach wie vor überzeugen (Anm. d. Red.: Ezio aus “Assassin’s Creed II” kann als spielbarer Charakter freigeschaltet werden). Neben dem Erscheinungsbild ist auch deutsche Synchronisation ist nicht gerade das Optimale. Typische 0815-Stimme und auch die Sprüche von ihm wirken alles andere als cool. Auf technischer Seite gibt es nicht viel zu bemängeln. Alles sieht top aus, besonders wenn man von hohen Punkten in die Tiefe schaut und die Umgebung genießen kann. Kleine Abzüge gibt es für die Render-Sequenzen, denn da muss so mancher Ruckler in Kauf genommen werden. Der Soundtrack hätte etwas umfangreicher ausfallen können, ist aber dennoch gelungen und unterstützt das Feeling wirklich gut. Ein bisschen mehr davon wäre sicher wünschenswert gewesen.
Fazit
Es gibt so Manches, das man an “Prince Of Persia: Die vergessene Zeit” noch besser hätte machen können, denn Potential für ein Spitzen-Game hat die Serie ja bekanntermaßen. In einigen Punkten wirkt das Spiel nicht ganz ausgereift, was besonders am Kampf-System auffällt, ein zusätzlicher Schwierigkeitsgrad zu “einfach” und “normal” ist sogar Pflicht, fehlt dennoch, nichts desto trotz macht es verdammt Laune wieder in die Rolle des “alten” Prinzen zu schlüpfen und Persien unsicher zu machen. Mehr als die mittlerweile üblichen rund 10 Stunden Spieldauer darf man auch hier nicht erwarten, aufgrund der tollen Stimmung legt man das Game jedoch sicher gerne auch ein zweites Mal in die Konsole.





