Monster Hunter Tri

27. Mai 2010 | 0 Kommentare
Titel:
Monster Hunter Tri
Redaktions-Wertung:
Publisher:
Nintendo
Plattform:
Wii
LeserInnen-Wertung:
Release:
23. April 2010
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Genre:
USK:
keine Angaben

Monsterjäger aufgepasst, Monster Hunter geht in eine neue Runde! „Monster Hunter Tri“ heißt das gute Stück, welches der erste Next-Gen-Ableger und gleichzeitig auch der erste Nintendo-exklusive Teil der Reihe ist. Während im Ursprungsland Japan schon bei der Ankündigung die halbe Gamerwelt Kopf stand, sorgt der Titel hierzulande nur bei der eingefleischten Fangemeinde für Freudensprünge. Jetzt gilt es herauszufinden, ob das Spiel die Erwartungen der Fans erfüllt und ob auch Nicht-Kenner der Serie mit der virtuellen Jagd gut beraten sind.

Eure Reise beginnt in dem ansehnlichen Fischerdorf Moga, wo euch die Grundkenntnisse näher gebracht werden. Hier könnt ihr in eurer Hütte speichern, beim Schmied Waffen herstellen oder im Laden Items kaufen. Ist man mit dem nötigen Wissen ausgerüstet, kann man sich guten Gewissens auf die Jagd begeben. Nach Verlassen des Dorfes springt einem zuerst die beeindruckende Kulisse ins Auge. Sowohl die begehbare Welt, als auch die Hintergründe sehen grafisch toll aus und versprühen ein unverwechselbares Gefühl von Freiheit. Doch leider hat die Welt auch einen ganz großen Makel, der sich durch das komplette Spiel zieht. Wenn man die Karte betrachtet, wird einem auffallen, dass sie aus lauter „Flecken” besteht, die durch dünne Wege miteinander verbunden sind. Passiert man einen dieser Wege, muss man eine kurze Ladezeit abwarten, bevor man den nächsten Fleck betreten kann. Die große, freie Welt ist also gar nicht so frei, wie anfangs erwartet. Doch die andauernden Ladezeiten sind nicht nur nervig, sondern nehmen der Welt auch einiges an Authentizität. Wird man z.B. von schnellen Monstern verfolgt, rennt man einfach in den nächsten Bereich, und schwupps sind alle Gegner weg. Die Welt besteht also im Prinzip nur aus vielen kleinen Wildgehegen, in denen die Monster gefangen sind.

„Monster Hunter Tri” ist ein Paradebeispiel eines Spiels, dass es Neueinsteigern extrem schwer macht. Wer noch nie Monster Hunter gespielt hat, wird zu Beginn höchstwahrscheinlich von all den Erklärungen erschlagen. Überall sind Textfenster und es gibt unzählige Möglichkeiten, die so schnell abgehandelt werden, dass man kaum eine Chance hat, sie richtig zu verstehen. Diese Hürde muss man erst einmal überwinden, um richtig in das Spiel einsteigen zu können. Es kann aber genauso gut passieren, dass man das Spiel nach einer halben Stunde in die Ecke wirft und nie wieder anrührt. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man mit „Monster Hunter Tri” sein erstes Monster Hunter spielt. Die vielen Textfenster, die übrigens zu allem Überfluss auch noch viel zu klein sind, sind allerdings nicht das einzige Hindernis. Ein weiteres Problem für Anfänger dürfte der eher langsame Spieleinstieg sein. Anstatt von Anfang an die dicksten Monster zu jagen, muss man sich mit kleinen, schwachen Jagdobjekten zufrieden geben und erst einmal exzessiv Rohstoffe sammeln. Und das soll nicht heißen, dass man sich mal ‘ne halbe Stunde lang auf die eigentliche Jagd vorbereitet. Bis das Spiel richtig losgeht, können locker zehn Stunden verstreichen. Es ist ja löblich, dass die Entwickler die Neueinsteiger gemächlich einführen wollen, doch das ist für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten.

Die berüchtigten Rohstoffe findet man an beliebigen Stellen in der Spielwelt, die durch Gräser, Steine o.Ä. gekennzeichnet sind. Zudem kann man erlegte Monster ausweiden, um so weitere Rohstoffe zu gewinnen. An sich ist das eine gute Idee, doch leider lösen sich die Kadaver nach kurzer Zeit einfach auf. Wenn man also gegen viele Monster gleichzeitig kämpft, kann man bloß das Letzte ausweiden, da die vorherigen noch während dem Kampf einfach verschwinden. Es ist natürlich möglich, alle Leichen auszuweiden, doch wenn man dabei andauernd von anderen Monstern weggehauen wird, lässt man es irgendwann einfach sein. Und auch die gewöhnlichen Rohstoffe können für so manchen Spieler ein wahrer Spaßkiller sein. Stundenlang irgendwelchen Kram aus der Erde zu buddeln, anstatt auf die große Jagd zu gehen, macht ungefähr überhaupt keinen Spaß.

Hat man die lange Einführungsphase erst einmal hinter sich, entfaltet das Spiel sein komplettes Potenzial. Die langen Kämpfe gegen gigantische Monster sind genau das, was Monster Hunter ausmacht. Wenn man eine halbe Stunde lang gegen einen riesigen Drachen kämpft, der einem sämtliche taktische Raffinessen abverlangt, weiß man wieder, weshalb man gerade dieses Spiel spielt. Neben dem intelligenten und herausfordernden Kampfverhalten der Monster fällt auch ihr hervorragendes Design auf. Jedes Monster ist ein außergewöhnliches Unikat, das perfekt an seine Umgebung angepasst wurde. So ergibt sich eine glaubwürdige Welt mit einem sehr echt wirkenden Ökosystem. Ganz neu sind außerdem die Unterwassermonster, die man auch in ihrem Lebensraum bekämpfen muss.

Die richtige Waffe ist natürlich unverzichtbar für die Jagd, insgesamt stehen sieben Waffenarten zur Verfügung. Neben Groß- und Langschwert gibt es auch ein normales Schwert plus Schild, Hammer, Lanze, Armbrust und die Morph-Axt, die man per Knopfdruck von einer Axt in ein Schwert verwandeln kann. Erwähnenswert ist auch die Armbrust, die man individuell aus drei Teilen zusammenbauen kann, was sich merklich auf ihre Werte auswirkt. Zudem gibt es diverse Items, wie z.B. Tränke, die oftmals über Sieg und Niederlage entscheiden können. Eine weitere Neuerung ist „Cha-Cha”, der die Katzen aus den vorherigen Teilen ersetzt und an eurer Seite kämpft. Auf welche Art und Weise er euch hilft, könnt ihr selbst entscheiden, indem ihr ihm eine von vielen Masken aufsetzt, die ihm jeweils eine andere Fähigkeit verleiht.

Gesteuert wird das Spiel mit Wiimote und Nunchuk oder dem Classic Controller. Wenn man letzteren noch nicht besitzt, sollte man sich ernsthaft überlegen, das Spiel im Bundle zu kaufen, da die Variante mit Wiimote und Nunchuk nicht sehr zu empfehlen ist. Hier werden die Schläge und alternativen Attacken nämlich durch Bewegungen gesteuert, die man nicht selten aus Versehen auslöst. Mit dem Classic Controller ist die Steuerung allerdings kein Problem. Die Kamera lässt sich zwar nur sehr schwammig justieren, doch ansonsten gibt es hier nichts zu meckern.

Ein ganz großes Feature ist der umfangreiche Online-Modus, der auf der Wii natürlich besonders heraussticht. Hier erwarten einen nicht etwa kleine Minispiele, sondern ebenso wie im Einzelspieler eine große Welt mit genauso großen Monstern, die man mit seinen Kollegen durchstreifen kann. Somit kann man durch Absprache mit noch mehr Taktik an die Kämpfe herangehen, als sowieso schon. Perfektioniert wird das Ganze durch die Kompatibilität mit Wii Speak, was das taktische Vorgehen noch komfortabler und spaßiger macht. Außerdem gibt es sogar einen Split Screen-Modus, mit dem man auch offline zu zweit auf die Jagd gehen kann.

Fazit: „Monster Hunter Tri” ist genau das, was die Fans der Serie haben wollten. Es ist eine konsequente Weiterführung der Reihe, mit all ihren Stärken und leider auch Schwächen. So ist es z.B. vollkommen unverständlich, dass die Welt von Monster Hunter bloß aus vielen kleinen Feldern besteht, die durch Ladezeiten verbunden sind. Ebenso fragwürdig ist der ungeschickte Spielbeginn, der die meisten Neueinsteiger schon vergrault, bevor das Spiel überhaupt erst richtig losgeht. Doch wenn man erst einmal mit den wirklich großen Monstern kämpft, zeigt “Monster Hunter Tri”, was es wirklich kann. Dazu kommen die wahrhaft monströse Spielzeit und ein hervorragend funktionierender Online-Modus. Wer Monster Hunter kennt und mag, sollte also unbedingt zugreifen. Neueinsteiger hingegen denken lieber zweimal über den Kauf nach.

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