Kritik | Lego Harry Potter: Die Jahre 1 – 4
Traveller’s Tales, hauptsächlich bekannt für Portierung von Spielen ins Lego-Universum, ändert auch diesmal nicht das bewährte Rezept: Mit “Lego Harry Potter: Die Jahre 1 – 4″ spielt innerhalb von fünf Jahren mittlerweile schon das zehnte Videospiel im Land der unbegrenzten Klötzchen. Begleitet Zauberlehrling Harry vier Schuljahre lang durch das Leben in Hogwarts. Die Magie beginnt…
Inhaltlich gesehen wird eher dem Film denn dem Buch gefolgt, Details werden werden gerne weggelassen. Wie soll man auch über eintausend Seiten voller Druckerschwärze komplett einbringen? Im Prolog beobachten wir, wie der kleine Waisenjunge bei den Dursleys abgelegt wird und an seinem elften Geburtstag von Hagrid gerettet wird. Um ihn auf das Leben in dem Zauberinternat Hogwarts vorzubereiten, fliegen sie zur Winkelgasse, dem Treffpunkt für Zauberer. Schließlich ist der Blitznarbenträger die einzige Person, die eine Begegnung mit Lord Voldemort überlebt hat. Soviel sei gesagt: Euren Widersacher trefft ihr noch mehr als einmal wieder. Wer die Story noch nicht kennt, hat trotzdem keine Probleme sie zu verstehen, obwohl im Spiel kein einziges existierendes Wort gesprochen wird.
Meist sind die Level sehr linear gestaltet, doch dies liegt an der Tatsache, dass viele Bereiche anfangs unzugänglich sind. Den Schwerpunkt bildet nämlich das Erkunden und Einsammeln, damit verbunden ist auch das Freischalten von Objekten. Mithilfe von Zaubertränken und -sprüchen bewegt, rüttelt oder zerstört ihr Objekte, verändert euer Aussehen oder werdet bärenstark. Anfangs seid ihr noch komplett unbegabt, in Hogwarts besucht ihr Unterrichtsstunden, sodass ihr euch wichtige Kenntnisse aneignet. Aufmerksame Zocker finden nicht nur Referenzen zu anderen Medien und Easter Eggs, sondern kollektieren die vier Wappenteile der jeweiligen Häuser von Hogwarts durch das Lösen von versteckten Aufgaben. Ebenso gibt es rote und goldene Steine zu finden, Schüler aus Not zu retten und Charakterplatten zu entdecken. Abseits der Geschichte lassen sich in der Winkelgasse damit neue Charaktere, Extras, Zaubersprüche und Bonuslevels kaufen bzw. freischalten. Der typisch schräge Humor fehlt natürlich auch nicht, Spaß ist also garantiert. Viele Neuerungen im Vergleich zu “Lego Star Wars” oder “Lego Indiana Jones” gibt es leider nicht, mal abgesehen von Charakterspezialeigenschaften (z.B. Harrys Tarnumhang, Anm. d. Red.) und dem Besenfliegen.
Ungeduldige Konsoleros werden dieses Spiel weniger ins Herz schließen, neben dem “normalen” Storymodus bietet sich der “Freies Spiel”-Modus. Er erlaubt es euch, die Level mit Charakteren (es gibt insgesamt sagenhafte einhundertsiebenundsechzig) eurer Wahl und den zugehörigen Zaubersprüchen nochmals zu untersuchen, wodurch sich die Spielzeit praktisch verdoppelt.
Nicht alles ist im Steinedesign zu begutachten, was den Kontrast zwischen Vordergrund und Hintergund hervorhebt. Die “außersteinlichen” Elemente sehen gut aus, die Klötze selbst sehen jedoch noch besser aus, wer genau hinguckt, entdeckt sogar Reflektionen – genial! Qualitativ ist die Musik auch hochwertig, die Kompositionen selbst sind alle bekannt aus den Filmen der “Harry Potter” – Franchise, sie untermalen nicht nur, sie erzeugen auch Spannung und die gewisse mysteriöse Atmosphäre, die einen wichtigen Teil ausmacht. Steuern ist kein Problem, nutzt dazu den Stick. Auf den Knöpfen wird gesprungen, gezaubert oder ein selbiger ausgewählt. Wer Sprungpassagen nicht meistert, dem fehlt schlicht und einfach die gewisse Portion Geschicklichkeit, schließlich ist die Steuerung sehr filigran und genau.
Fazit
Und wieder ein tolles Lego-Familienspiel! Zwar sind wenige Neuerungen aufzuzeigen, doch das neue Setting und die neue Story überzeugen. Erneut gibt es eine solche Fülle an entdeckbaren Objekten, einmaliges Durchspielen wäre daher Verschwendung. Weiterhin sind die Klötzchen schön anzusehen und anzuhören; sehr orginalgetreu. Voller Charme und Humor. Action sucht man vergebens, für zwischendurch jedoch perfekt geeignet. Wer noch kein Legospiel besitzt, schlägt besser zu. Oder hast du nicht mehr alle Legosteine im Schrank?






