Kritik | Deponia
Der Name Daedalic steht mittlerweile (auch) für erstklassige Adventures. Ob Edna bricht aus, A New Beginning oder zuletzt Harveys neue Augen, alle diese Titel ließen die Adventuregemeinde jubeln und heimsten richtig gute Kritiken ein. Kein Wunder, dass die Vorfreude auf das neue Werk Deponia aus der Hamburger Spieleschmiede groß war. Nun ist es endlich da und setzt den Siegeszug Daedalics auf dem Abenteuersektor fort.
Der Müllraum, unendliche Weiten…
Ein Haus am Strand, jeden Tag Sonne, azurbalues Wasser, das ist doch etwas, wovon viele Menschen träumen. Raus aus dem Trubel der hektischen und dreckigen Großstadt und rein in ein Paradies aus klarem Himmel, feinem Sand und der Möglichkeit, jeden Tag das zu tun, worauf man gerade Lust hat…
Nun, wenn man Einwohner auf Deponia wäre, würde man sich schon mit viel weniger zufrieden geben. Der ganze Planet gleicht nämlich einer einzigen Mülldeponie. Abfall, Dreck und Schrott so weit das Auge reicht. Wer dort sein Leben verbringt, der würde sich schon freuen, wenn er nur etwas klares Wasser sein Eigen nennen dürfte und zwar nicht nur, um seinen Durst stillen zu können, sondern auch, weil man schon als reich gilt, wenn man nur etwas von dieser raren Flüssigkeit besitzt.
Nix wie weg!
Kein Wunder also, dass unser Protagonist Rufus aus diesem – im wahrsten Sinne des Wortes – Drecksloch, das sich auch noch irgendwie passend Kuvaq schimpft, fliehen und an einen anderen, schöneren, sauberen Ort ziehen will… nach Elysium, der fliegenden Stadt. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn es ist nicht so, dass Rufus sich einfach so ein Taxi oder die Bahn nehmen könnte, um seinem aktuellen Wohnort zu entrinnen. Und es ist auch nicht so, dass Rufus es nicht schon etliche Male versucht hätte… und bisweilen immer kläglich gescheitert wäre. Okay, letzteres ist tatsächlich so, denn wie heißt es so schön: Was in Kuvaq
gelandet ist, das wird Kuvaq auch nie verlassen können.
Obwohl… eine Ausnahme gibt es tatsächlich: Rufus’ Vater hat es nämlich geschafft, diesen Ort hinter sich zu lassen und während alle anderen Bewohner sich mit einem Leben im Dreck abgefunden haben, will es der Sohnemann seinem Vater gleichmachen. Und da kommt doch dieses monströse Gefährt, das da auf einer Schiene langfährt gerade richtig. Und mit der Kapsel, dem Magneten und den Raketen sollte es doch irgendwie möglich sein, auf den Zug in die Freiheit hinaufzuspringen… Dieses Mal werden wir es allen zeigen, insbesondere der Ex-Freundin, die sich schon auf unser nächstes Missgeschick freut. Aber vorher heißt es noch schnell Sachen packen, schließlich will man auf sein neues Leben gut vorbereitet sein…
Aber eine “gute Vorbereitung” und Rufus, das ist ein Widerspruch in sich. Kein Wunder, dass Rufus für 90 % aller Katastrophen und Verletzugen in dem Dorf verantwortlich ist – wobei er nach eigener Aussage in wiederum 90 % der Fälle sich selbst verletzt hat -. Auch sein neuerlicher Versuch, das Kuhkaff… ähhh Kuvaq hinter sich zu lassen, scheitert – natürlich – erbärmlich. Wobei… so ganz ohne Erfolg war es diesmal doch nicht. Auf dem riesigen Organon-Kreuzer gelandet – nach mehr als nur einigen Blessuren – wird unser Held Zeuge eines Disputs, in den die Elysianerin Goal verwickelt ist. Irgendwie schafft Rufus es, das weiße Mädchen zu retten. Doch wäre Rufus nicht Rufus, wenn seine Rettung nicht in einem Sturz Goals vom Himmel und einer anschließenden Art Koma enden würde. Unser Hauptdarsteller fällt natürlich auch aus luftigen Höhen und zwar… in den Müll. Weit ist er also nicht gekommen und kann sich so wieder den Spott der anderen Bewohner antun. Doch von seinem Vorhaben nach Elysium zu gelangen, lässt er sich nicht abbringen, vor allem, weil Goal ebenfalls dorthin zurück muss. Werdet ihr es schaffen, die beiden dort hinzuführen? Vergesst nicht: Was in Kuvaq gelandet ist, das wird Kuvaq auch nie verlassen können…
Alles andere als Müll
Deponia ist ein typisches Point-and-Click-Adventure, das hauptsächlich aus Kombinations- bzw. Inventarrätseln besteht. Ab und zu bekommt man auch ein Minigame serviert, das man aber bei Bedarf auch überspringen kann. Die Rätsel binden sich gut in die Thematik des Spiels ein, sind zum Teil ein wenig durchgedreht – oder würdet ihr für die Zubereitung eines Espressos Schwarzpulver und Batteriensäure verwenden? – aber dennoch stets logisch. Das Inventar lässt sich unter anderem durch Drücken der Taste “I” oder ganz lässig mit einem Nach-Unten-Scrollen-Auf-Dem-Mausrad öffnen. Vor wirkliche Hürden werdet ihr eher selten gestellt, dennoch macht die Jagd nach den benötigten Gegenständen sowie das Lösen der Aufgaben Spaß, wobei der Spaßfaktor im Gesamtzusammenhang zu sehen ist.
Denn Daedalic bietet uns auch hier wieder ein optisch mehr als einladendes Spiel, das nur so von verrückten und zum Teil wirklich zum kaputt lachenden Charakteren strotzt. Ob Gizmo, der gleichzeitig alleiniger Arzt, Feuerwehrmann und Polizist des Dorfes ist, der Bürgermeister mit Schlafmütze, dessen Schlafgemach traditionell die Schublade des Tisches im Bürgermeisterbüro ist, Rufus’ mürrische Ex-Freundin Toni aber auch Rufus selbst, sie alle sind einfach Granaten für sich, die nicht nur viel Schrott machen, sondern auch einiges an Müll labern, was bei einem Spiel wie Deponia natürlich nur positiv gemeint ist. Und wenn wir schon beim Labern sind, wollen wir die klasse Vertonung nicht vergessen. Zwar können gerade die “Klimm-Bimm-Geräusche” ein wenig nerven, wenn man sie zu oft hört, die Sprecher haben dagegen hervorragende Arbeit geleistet, so dass man es auch verzeihen kann, wenn der Mund der Figuren sich das ein oder andere Mal nicht passend zum Gesprochenen bewegt.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht
Natürlich hat jeder eine andere Art von Humor und dennoch werden sich viele Adventurefreunde an den lustigen und zum Teil echt dummen Sprüchen amüsieren, die einen mehr, die anderen weniger. Klar, dass nicht jeder immer über alles lachen kann, aber es wird genügend Situationen in dem Spiel geben, in dem man sich das Lachen nicht verkneifen können wird. Gerade die Rolle Rufus’ als selbstüberzeugter, durchgedrehter und nicht auf den Mund gefallener Außenseiter ist prätestiniert für ein Spiel mit Lach- und Spaßfaktor, wobei man lobend erwähnen muss, dass die anderen Charaktere nicht viel blasser neben ihm erscheinen.
Was dem Spiel vielleicht fehlt, ist eine Schnellreisefunktion und ein paar flinke Beine für den Hauptakteur. Dieser kann leider nicht rennen, was angesichts der im großen und ganzen kurzen Wege jedoch nur selten stört. Da man in dem ganzen Müll nicht immer alles findet – okay, so schlimm ist es bei weitem nicht – gibt es auch eine Hotspotanzeige. Durch Betätigen der Leertaste leuchten die Objekte bzw. Personen auf, mit denen man interagieren kann.
Die Dialoge spielen einer eher nachgeordnete Rolle und ab und an ist es so, dass die Auswahl an möglichen Textpassagen schon einen Hinweis darauf gibt, was als nächstes zu tun ist, besonders, wenn man fragen kann: “Wie war das noch mal mit….?”. Für das Weiterkommen sind sie hilfreich, jedoch nicht immer unbedingt erforderlich.
Fazit
Was soll ich noch sagen: Daedalic versteht einfach sein Handwerk, wenn es um Adventures geht. Natürlich ist Deponia nicht zu 100 % perfekt – welches Spiel ist das schon -, aber das, was hier auf den Abenteuermarkt geworfen wurde, ist mal wieder mit das beste, was es zurzeit in diesem Genre gibt. Eine mal wieder interessante, wenn auch merkwürdige Thematik, eine gute Story, tolle Rätsel und das ganze dazu auch noch ein Blickfang. Was will man mehr? Eben! Ach ja: ich freue mich jetzt schon auf die bereits angekündigten beiden weiteren Teile…






Es gibt eine “Schnellreisefuntion”. Einfach auf einen Ausgang doppelklicken.