Kritik | Lost Planet 2
Wer „Lost Planet“ liest oder hört, denkt sofort an riesige, vereiste Landschaften, gigantische Monster und dicke Waffen. Jetzt steht „Lost Planet 2“ in den Regalen und bietet fast das Gleiche. Monster und Waffen gibt es wieder zuhauf, bloß die eisigen Landschaften wurden wegrationalisiert und durch Dschungel und Wüste ersetzt. Dieser Stilbruch verändert das Spiel spürbar und könnte viele Spieler enttäuschen. Ob es nun der sprichwörtliche frische Wind im Genre oder nur eine Verschlimmbesserung ist, ließ sich schnell herausfinden.
Die Stars von „Lost Planet 2” sind ohne Frage die Monster, die sogenannten Akriden. Viele der kleinen „Standard”-Akriden kennt man schon aus dem ersten Teil, doch besonders die richtig großen Kollegen sind diesmal so imposant, dass man gerne mal vergisst, den schlagartig aufspringenden Mund wieder zu schließen. Und hat man sie erst einmal getroffen, dauert es eine Weile, bis man sie wieder los ist. Ein Bosskampf kann gut und gerne eine halbe Stunde dauern und viele virtuelle Leben kosten. Oft wird dieser Effekt aber nur dadurch erzeugt, dass die Akriden einen übermäßig langen Energiebalken haben, anstatt klug zu agieren und auf die Verhaltensweisen des Spielers zu reagieren.
Selbstverständlich muss man die Akriden nicht mit bloßen Händen bekämpfen. Auch diesmal wartet ein großes Repertoire an Waffen darauf, vom Spieler verballert zu werden. Maschinengewehre, Raketenwerfer, Schrotgewehre und Granaten sind in unzähligen Ausführungen und Größen verfügbar. Dazu gibt es noch die aus Teil 1 bekannten Roboter-Kampfanzüge, mit denen es sich noch effektiver ballern lässt. Dabei gilt grundsätzlich, dass mit der Größe der Waffe auch die Trägheit wächst. Wuchtet man z.B. mit einem 2 Meter großen Raketenwerfer durch die Level, kann man so lange nichts Anderes mehr machen, bis man die Riesenwaffe wieder weglegt.
An der sehr häufigen Benutzung des Wortes „ballern” hat der aufmerksame Leser sicher schon bemerkt, dass das Ballern (da ist es wieder) in „Lost Planet 2” nicht zu kurz kommt. Doch das trifft es nicht ganz, denn in diesem Spiel wird nicht nur sehr oft, sondern pausenlos geballert. Schon wenn man ein Level betritt, drückt man instinktiv die R-Taste und pumpt die komplette Spielwelt mit Blei voll. Das ist auch nötig, denn besonders in den dichten Dschungellevels bemerkt man die Akriden oftmals erst, wenn sie einem bereits den halben Energiebalken abgezogen haben. Reines Dauergeballer kann diese Unübersichtlichkeit allerdings nicht ausgleichen. Zu verwirrend sind die Levelstruktur und die tausend Anzeigen, die gleichzeitig über den Bildschirm flimmern. Überall sind leuchtend blaue Schriftzüge, Pfeile, Kreise, Vierecke und was es sonst noch so an Formen gibt. Und ehe man einfach stehen bleibt und nach einem sicheren Weg sucht, ballert man halt wieder pausenlos.
Technisch gibt es an dem Spiel absolut nichts zu meckern. Besonders die Grafik ist den Entwicklern hervorragend gelungen, und auch der Sound ist mehr als zufriedenstellend. Was jedoch niemand bemerkt hat, ist das unstimmige Gesamtbild, das vor lauter Glanz und Effekten nur noch wie ein seelenloser Plastikhaufen aussieht. So verkommt die technisch beeindruckende Grafik zu einem plakativen Vorzeigeargument, das all die Schwächen des Spiels ausgleichen soll. Ein eigenständiger Stil hätte in diesem Fall aber deutlich mehr gebracht, als eine standardmäßige Hochglanz-Grafik.
Storytechnisch ist „Lost Planet 2” mehr als unspektakulär. Genau genommen gibt es nur das Intro und einen Haufen gesichtsloser Charaktere, die sich ohne guten Grund in den sicheren Tod stürzen. Wenn man allerdings noch mal auf die vollkommen hanebüchene Story von Teil 1 zurückblickt, erscheint das eher als Vorteil. Jetzt kann man ungestört das Spiel spielen, ohne von blödsinnigen Zwischensequenzen gestört zu werden. Dennoch verliert das Spiel dadurch auch jegliche Atmosphäre. Die Kämpfe gegen die riesigen Akriden wären noch viel spannender, wenn es auch um etwas gehen würde. Doch so ballert man eben ein Rieseninsekt nach dem anderen weg und weiß am Ende gar nicht so recht, warum.
Der Multiplayer spielt in „Lost Planet 2” eine ganz große Rolle. Das komplette Spiel ist darauf ausgelegt, dass man in der Gruppe durch die Levels zieht. Wer nicht online oder im Splitscreen spielen kann, wird spätestens bei den langen Bosskämpfen die KI hinzuziehen müssen, die einen menschlichen Mitspieler natürlich niemals ersetzen kann. Es scheint wirklich so, als würde das Spiel all die Einzelkämpfer dort draußen absichtlich ausschließen und bloß die Multiplayer-Sparte bedienen wollen. Das teambasierte Gameplay ist jedoch in der Praxis völlig sinnlos. Anstatt sich abzusprechen und taktisch vorzugehen, rennt man eben zu viert durch die Levels und ballert ohne Ende, was man genauso gut alleine machen könnte.
Fazit: Nach einem sehr erfolgreichen „Lost Planet” waren die Erwartungen an den Nachfolger groß. Doch anstatt sich die Kritik zu Herzen zu nehmen, haben die Entwickler das Spiel komplett umdesignt und sich in lauter tollen Ideen verloren, die zu keinem Zeitpunkt zusammenpassen. Die ausdruckslose Grafik, der nutzlose Multiplayer und die fehlende Übersicht sind leider derart große Negativpunkte, dass das beispiellose Design der Akriden nur wenig retten kann. „Lost Planet 2“ hätte viel mehr Spaß gemacht, wenn man einfach nur beliebige Bosskämpfe aneinandergereit hätte, ohne zwischendurch durch langweilige Levels laufen zu müssen. Hinzu kommt noch, dass das Spiel durch die nicht existente Story und die unbedeutenden Charaktere sämtliche Dramatik verliert, die die Kämpfe noch viel spannender gemacht hätte. Alles in allem ist „Lost Planet 2” eine ziemliche Enttäuschung und ein gutes Beispiel dafür, was Actionspiele nicht sein sollen.








