Kritik | Call of Duty: Modern Warfare 2
Im Herbst 2009 war es endlich soweit: Das Entwicklerteam Infinity Ward kehrte zurück mit Call Of Duty: Modern Warfare 2. Der Vorgänger wurde mit Preisen überhäuft, bekam fast überall grandiose Kritiken, erzielte fantastische Verkaufszahlen und wurde schnell zu einem der beliebtesten Ego Shooter überhaupt. Dementsprechend hoch waren natürlich die Erwartungen an den Nachfolger. Haben es die Entwickler geschafft das hohe Niveau zu halten oder ist Teil 2 eine Enttäuschung? Wir haben es für euch herausgefunden.
5 Jahre später
Modern Warfare 2 spielt 5 Jahre nach dem Vorgänger und knüpft an dessen Ereignis nahtlos an. Deswegen sollte man auch unbedingt diesen gespielt haben, da die Geschichte ohnehin etwas kompliziert ist und man ohne Vorkenntnis etwas verloren ist. Am Anfang wird zwar eine kurze Sequenz der bisherigen Ereignisse gezeigt, doch es ist fraglich, ob das reicht um alles zu verstehen. Man schlüpft wieder in die Rolle verschiedener Charaktere, diese spielt man dann in kleineren Nebengeschichten, die sich aber alle auf eine gemeinsame Hauptstory beziehen. So kommt es vor, dass man mal einen Einsatz in Afghanistan hat, der nächste ist dann Rio de Janeiro, ein anderer wiederum in Washington D.C.. Für örtliche Abwechslung ist also wieder einmal gesorgt. Einer der Hauptprotagonisten ist dieses Mal Terrorist Vladimir Makarov, der Nachfolger des in Teil 1 verstorbenen Imran Zhakaev, aber auch einige alte Bekannte sind wieder an Bord, unter anderem Soap MacTavish, Hauptfigur aus Call of Duty 4. Leider weist der sechste Teil der Serie starke Schwächen in der Erzählung auf, doch dazu später mehr.
Der Kampagnen Modus
Der Kampagnen Modus ist in 3 Akte eingeteilt, welche insgesamt 18 Missionen beinhalten. Nach einem typischen kleinen Tutorial geht es gleich los, mit einer Mission in Afghanistan. Und gleich dort entfalten sich die Stärken von Modern Warfare 2: Eine unglaubliche Atmosphäre, es fliegen Granaten, es fallen Schüsse, aus hinteren Ecken folgen manchmal Hilfeschreie. Wenn man selber kritisch getroffen wird, fängt der Charakter lauter an zu atmen und auf dem Bildschirm erscheinen Bluttropfen.
Dann heißt es schnell in Deckung zu gehen, damit die Mission nicht von vorne gestartet werden muss. In manchen Momenten des Spiels fühlt man sich wirklich wie im Krieg. Es gibt keine stillen Momente, es ist durchgehend Action angesagt und es wird geballert, bis die Munition leer ist. Die von Gegnern liegengelassenen Waffen können natürlich aufgenommen werden. Für etwas Abwechslung sorgen eine Fahrt mit dem Snow Mobile (ja, ihr kommt auch in die ganz frostigen Regionen dieser Welt!), oder Sachen wie ein kleiner Tauchgang zu einer Bohrinsel. Leider fallen manche Missionen im Gegensatz zu anderen deutlich ab. Während Missionen wie “Cliffhanger” im verschneiten Gebirge spannend sind und einige unerwartete Wendungen haben, langweilen die Stadtmissionen nach einmaligem Spielen bereits. Negativ ist ebenfalls die mal wieder viel zu kurze Spieldauer. 5-6 Stunden sind einfach zu wenig, besonders für den vollen Kaufpreis.
Die Flughafen Mission
Wenn man das Spiel das erste Mal einlegt, kommt eine Art Warnhinweis. Es wird darauf hingewiesen, dass einige Missionen einen anstößigen Inhalt haben und es wird gefragt, ob man diese auch spielen möchte. Gemeint ist damit genau eine Mission: Die Flughafenszene. Die meisten von euch werden schon wissen, was in dieser passiert. Aber hier nochmal eine kleine Schilderung was vorfällt: Zusammen mit euren Partnern steigt ihr aus einem Fahrstuhl aus. Nach etwa 10 Sekunden fangen diese an zu schießen. Aber nicht auf Gegner. Sondern auf Zivilisten! Was ihr in den nächsten paar Minuten zu sehen bekommt, ist einfach
nur makaber. 100 von unschuldigen Personen werden niedergestreckt, die Dramaturgie des Tötens wird hier extrem heruntergespielt. Man hört verzweifelte Schreie, alles wirkt sehr echt. Und das Schlimmste: Ihr könnt nichts dagegen machen! In der deutschen Version wird die Mission zum Glück beendet, wenn man auf einen Zivilisten zielt, in der amerikanischen schießt man mit. Das Entwicklerteam um Infinity Ward und Verleger Activison leisten sich damit einen klaren Tabubruch und wegen dieser Szene steht das Spiel zurecht in der Kritik. Das Ende der Mission ist übrigens für die Fortsetzung der Geschichte sehr entscheidend. Wenn man diese Szene überspringt, kriegt man allerdings keinen Bericht über eben dieses Ende, heißt: Wenn ich diese Mission nicht spiele, verstehe ich den Rest des Spiels nicht mehr.
Der Multiplayer Modus
Für einige Spieler wird der einzige Kaufgrund der Multiplayer Modus sein. Dieser ist, kurz gesagt, wieder richtig gelungen. Der Online Modus ist dabei genauso aufgebaut wie bei Modern Warfare 1. Man sammelt durch Leistungen (mehrere Abschüsse in Folge etc.) Erfahrungspunkte und steigt dadurch Ränge auf, schaltet Zubehör und Waffen frei. Hier gibt es einfach nichts zu meckern und für die meisten wird der Multiplayer Modus der Herzstück des Spieles sein. Alles läuft ruckelfrei und zusammen mit Freunden ist der Spaß garantiert. So muss es sein!
Klasse Grafik und krachender Sound
Vom Optischen her ist das Spiel ohne Frage wirklich richtig gut. Wenn man am Anfang einer Mission zum Beispiel im Auto sitzt und seinen Kameraden ins Gesicht schaut, bestärkt das die Kriegsatmosphäre nur noch einmal, denn die Soldaten sehen schon fast unheimlich echt aus und vermitteln mit ihren ernsten Gesichtern auch jede Menge Ausdruck. Die Explosionen sehen ebenfalls sehr real aus und bei diesem klasse Sound zuckt man schon das ein oder andere Mal zusammen. Auch die Synchronisation ist gelungen und die Sprecher wirken nicht lustlos und unmotiviert. Grafisch gesehen gibt es eigentlich nur einen kleinen Kritikpunkt: Die Autos, die in den Städten herumstehen, sehen meist etwas lieblos aus. Aber ganz ehrlich, wer interessiert sich bei so einem Action Feuerwerk noch für ein paar Autos?
Fazit
Eigentlich gibt es auch bei Modern Warfare 2 nur wenige Kritikpunkte. Einmal die viel zu kurze Spielzeit und die Flughafenszene, welche maßlos übertrieben ist. Die Story hätte man nicht mit solch einer Mission vorantreiben sollen. Man kann nur hoffen, dass in Zukunft solche “Amokläufe” in Spielen nicht mehr eingebaut werden. Aber mal abgesehen davon ist Call Of Duty 6 ein klasse Spiel. Sei es die Grafik, der Sound, die Atmosphäre oder die spektakulären Missionen. Es ist ohne Frage ein klasse Ego Shooter, der jeden Fan des Genres begeistern wird und besonders im Multiplayer Modus wird man viele Stunden verbringen. In jedem Fall ist dieses Spiel ähnlich gut wie der Vorgänger, vielleicht minimal schlechter. Jeder, der den Vorgänger zu Teil 2 geliebt hat, wird auch diesen hier lieben, von daher gibt es eine klare Kaufempfehlung!





