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Blog | Schöner als der Marmor, aus dem es stammt : Worldofvideogames.de – Dein Spielemagazin im Internet

Blog | Schöner als der Marmor, aus dem es stammt

24. Januar 2013 | 0 Kommentare

Die_Paläste_von_CarraraEs ist zwar nicht die Regel, aber es gibt einfach Spiele, da weiß man schon im ersten Moment, dass sie gut sein werden. Sei es, weil man sich einfach nur das Spielmaterial angesehen oder auf der Rückseite die Kurzbeschreibung gelesen hat. Manchmal genügt schon ein Blick auf die Vorderseite, um einfach zu wissen, dass das Spiel bestimmt Spaß machen wird. Natürlich gibt es aber auch den umgekehrten Fall. Die Paläste von Carrara gehören jedoch definitiv zu der ersten Kategorie von Spielen. Als ich es zum ersten Mal in der Hand hielt, habe ich es einfach gefühlt, dass das Spiel top sein wird. Und mein Gefühl sollte mich auch diesmal nicht täuschen. Um es vorwegzunehmen: das Spiel hat mehr als überzeugt. Anscheinend kann nur etwas Tolles entstehen, wenn zwei Größen in diesem Metier, wie Wolfgang Kramer und Michael Kiesling, ihre Finger im Spiel haben bzw. … am Spiel hatten.

Begeisterung von der ersten Sekunde

Kleine Übersicht über das Spielmaterial

Kleine Übersicht über das Spielmaterial

Schon beim Öffnen der prall gefüllten, über 1,5 Kilogramm schweren Schachtel steigt die Vorfreude aufs erste Spiel. Das Spielmaterial ist wirklich ein Genuss. Beiliegend befindet sich ein verschlossener Umschlag, den man vorzugsweise erst nach dem zweiten Mal Spielen öffnen sollte. Schön, wenn sozusagen eine Art Erweiterung direkt dabei ist. Für mich konnte es nur noch heißen: ran an die Regeln, damit das erste Spiel so schnell wie möglich begonnen werden kann. Das Komische ist, dass ich wirklich Spaß am Lesen der Regeln hatte, was ja naturgemäß eher etwas träge ist. Aber die Regeln sind wirklich supereinfach und sehr gut erklärt sowie veranschaulicht, so dass es wirklich nicht lange gedauert hat, ehe der Startschuss zum ersten Spiel gefallen ist.

Am Spiel teilnehmen können zwei bis vier Spieler. Jeder von ihnen verkörpert das Oberhaupt einer Fürstenfamilie in Italien. Kurz gesagt geht es darum, durch den Erwerb von verschiedenen Bausteinen unterschiedliche Gebäude zu errichten. Bauen kann man in verschiedenen Städten, die einem entweder Geld oder Punkte bringen, wobei das Bauen in der einen Stadt lukrativer ist als in der anderen. Natürlich gewinnt am Ende nur der, der die meisten Punkte gesammelt hat.

Die Gebäudearten sowie die begehrten Objekte

Die Gebäudearten sowie die begehrten Objekte

Jeder Spieler nimmt sich ein Spielertableau und startet mit zwanzig Münzen sowie abhängig von seiner Startposition mit einem Baustein einer bestimmten Farbe. Seinen Besitz platziert man hinter seinem Sichtschutz. Von den übrigen Bausteinen, die es in sechs verschiedenen Farben gibt, wird jeweils ein Baustein einer Farbe auf das erste Segment der insgesamt sechsteiligen Drehscheibe platziert. Der Rest kommt in das mitgelieferte Säckchen. Dann werden die Gebäudeplättchen

gemischt und neun von ihnen offen auf den Spielplan gesetzt. Insgesamt gibt es sechs Gebäudetypen, jeweils in der Wertigkeit eins bis fünf und somit dreißig Plättchen. Nachdem dann auch sechs der dazugehörigen Objekte auf das Spielbrett gestellt und die übrigen dreißig bereitgelegt worden sind sowie sich jeder die sieben Wertungssteine seiner Farbe genommen hat, stellt jeder einen dieser Steine auf das Feld null der Zählleiste, bevor das Spiel beginnt.

Aktion 1, 2 oder 3?!

Wer an der Reihe ist, kann genau eine von drei möglichen Aktionen durchführen. Nach Abschluss darf man noch eine einzige bestimmte Zusatzaktion machen, ehe der nächste Spieler im Uhrzeigersinn an die Reihe kommt. Das Hauptaugenmerk liegt bei Die Paläste von Carrara auf dem Bauen von Gebäuden. Das geht natürlich nicht ohne entsprechendes Baumaterial, was uns wiederum zur ersten möglichen Aktion bringt.

In welche Stadt baut ihr?

In welche Stadt baut ihr?

Wer Bausteine kaufen will, dreht hierzu zunächst die Scheibe um ein Segment in Richtung des Uhrzeigersinns. Die eingangs auf dem ersten Teil platzierten Bausteine befinden sich nach dem ersten Drehen somit im zweiten Abschnitt. Danach zieht man blind so viele Bausteine aus dem Säckchen bis sich insgesamt elf Steine im Spiel befinden. Die gezogenen Steine werden allesamt auf das erste Segment gelegt. Danach muss man aus genau einem Teilbereich mindestens einen Stein kaufen. Der Clou an der Sache: in jedem Abschnitt kosten die Bausteine einer Farbe eine Geldeinheit weniger als auf dem vorhergehenden. Kostet also ein grüner Baustein im ersten Segment vier Geldeinheiten, kostet er im zweiten nur noch drei. Kostet ein roter Baustein im vierten Abschnitt eine Geldeinheit, gibt es ihn im fünften umsonst. Weiß, symbolisch für den teuren Marmor der Region, ist die einzige Farbe die beginnend mit sechs Einheiten, auch noch im sechsten Abschnitt eine Geldeinheit kostet. Nimmt man einen Stein umsonst, gilt dies bereits als Kauf und man muss keine weiteren mehr kaufen. Für den eher unwahrscheinlichen Fall, dass man tatsächlich kein Geld zum Kaufen hat oder es nicht genügend Steine mehr im Säckchen gibt, herrschen einige wenige Sonderregeln.

Die Bausteine kann man in einer weiteren Aktion zum Errichten von Gebäuden einsetzen. Dazu wählt man sich genau eines der offen liegenden Plättchen. Die darauf abgedruckte Wertigkeit entspricht der Anzahl der Bausteine, die man dafür abgeben muss. Je nach dem, welche Bausteine man opfert, kann man das Gebäude in eine der sechs Städte bauen. So darf man zum Beispiel in Livorno nur bauen, wenn man weiße Bausteine nutzt. Der clevere Leser kann sich hier schon denken, dass dies wohl die wertvollste Stadt sein muss. Der vorgegebenen Reihe nach darf man dann zum Bauen in Lucca schon weiße, gelbe und rote Steine verwenden bis man in Lérici alle Farben verwenden darf. Hat man die Bedingungen mehrerer Städte erfüllt, darf man sich selbstverständlich eine Stadt aussuchen und das Gebäudeplättchen darüber platzieren. Die abgegebenen Bausteine wandern sofort wieder in den Sack, so dass eigentlich immer welche vorrätig sein sollten. Für das genommene Gebäudeplättchen wird direkt eines nachgezogen.

Welche ist deine Lieblingsstadt?

Die Erweiterung bringt zusätzlichen Schwung

Die Erweiterung bringt zusätzlichen Schwung

Die Städte bescheren dem Spieler entweder Geld oder Punkte in unterschiedlichem Maße, jedoch nur, wenn er diese oder die Gebäude wertet. Das geschieht in der dritten möglichen Aktion. Mit seinen sechs Wertungssteinen wertet man entweder einen Gebäudetyp oder eine Stadt. Wertet man eine Gebäudeart, erhält man abhängig von den Städten, in denen man Gebäude dieses Typs gebaut hat, eine bestimmte Anzahl an eben Geld und/oder Punkten. Dazu multipliziert man die Wertigkeit jedes Gebäudes mit der Zahl, die für die Stadt steht, in der es gebaut wurde. Steht ein gewertetes Gebäude mit der Wertigkeit zwei in der Stadt Livorno, die einem „mal 3 Punkte“ bringt, erhält man für dieses Gebäude sechs Punkte. Hat man dann auch noch zwei Gebäude derselben Art mit den Wertigkeiten eins und drei in Massa, erhält man vier – entspricht der Summe der Wertigkeiten eins und drei – „mal einer Münze“ – Eigenschaft von Massa -, also vier Münzen.

Wenn man eine bestimmte Anzahl von Gebäuden in einer Stadt gebaut hat, kann man dann auch diese werten. Hierzu werden die Wertigkeiten aller Gebäude, egal welcher Art sie sind, addiert und mit der Zahl multipliziert, die für die gewertete Stadt steht. Hat man also eine Villa mit der Wertigkeit zwei, eine Biblioteca mit drei und einen Palazzo mit zwei in Pisa, erhält man dafür sieben – Summe der Wertigkeiten – „mal 3 Münzen“, die für Pisa stehen, also einundzwanzig Münzen.

Und immer alles schön geheim halten...

Und immer alles schön geheim halten…

Egal, ob man Städte oder Gebäudearten wertet, für jedes Gebäude, das gewertet wurde, nimmt man sich eines der dazugehörenden Objekte, sofern noch welche verfügbar sind. Die Besonderheit beim Werten ist, dass jeder immer nur für sich wertet. Während jeder jede Gebäudeart einmal für sich werten kann, können die Städte insgesamt nur einmal pro Spiel gewertet werden. Hat also ein Spieler die Stadt Viareggio gewertet, haben die anderen Spieler Pech gehabt. Sie können jedoch natürlich noch Gebäudearten werten, die in dieser Stadt stehen, aber eben nicht mehr die Stadt selbst, um für alle verschiedenen Gebäudetypen eine Belohnung einzuheimsen.

Egal, für welche der drei Aktionen man sich entscheidet, im Anschluss daran darf man pro Zug noch eine Zusatzaktion durchführen. Und zwar darf man für zehn Geldeinheiten noch eines der sechs zu Beginn ausgelegten Objekte kaufen. Hier werden keine nachgelegt, was bedeutet, dass wenn alle sechs Objekte aufgekauft wurden, die Möglichkeit der Zusatzaktion entfällt.

Alle guten Dinge gehen irgendwann zu Ende

Wurden alle dreißig Gebäude gebaut, ist das Spiel zu Ende. Jedoch kann ein Spieler bereits zuvor das Ende ansagen, wenn er die Siegbedingungen hierzu erfüllt hat. Im Grundspiel muss man dazu viermal gewertet haben, je nach Spieleranzahl eine bestimmte Menge an Objekten besitzen und Gebäude in einer bestimmten Höhe an Kosten gebaut haben. Wer die Bedingungen erfüllt und das Ende angesagt hat, bekommt als Gegenleistung fünf Punkte. Danach ist bis zum Spieler rechts vom Startspieler noch jeder einmal an der Reihe, ehe es an die Berechnung der Gesamtpunkte und die Verkündung des Siegers geht. Für jedes gesammelte Objekt gibt es am Ende noch drei Punkte. Hinzu kommen die Baukosten bzw. Wertigkeiten der Gebäude als Punkte in entsprechender Höhe sowie noch mal einen Punkt pro fünf Münzen, die man noch hat. Wer am Ende auf der Zählleiste am weitesten vorne liegt, hat das Rennen für sich entschieden. Bei Gleichstand gewinnt der, der am Ende noch mehr Bausteine übrig hat.

Ein Glücksrad?!

Ein Glücksrad?!

Das Spiel macht schon in seiner Grundversion richtig viel Spaß. Die inbegriffene Erweiterung setzt aber noch mal eine Schippe drauf. Ich will jedoch gar nicht so viel verraten, da wir auch erst – wie „befohlen“ – zweimal die Standardvariante gespielt haben, ehe wir den Umschlag geöffnet haben. So viel kann ich aber verraten: es kommt von jedem Gebäudetyp ein noch höherwertiges hinzu. Man kann Gebäude abreißen und durch solche mit höheren Baukosten ersetzen, indem man nur die Differenz zwischen eingestampftem und neuem Gebäude zahlt. Darüber hinaus gibt es Aufwerter, welche die bisherigen Städteeigenschaften überdecken, so dass es in Livorno nicht mehr nur „mal 3 Punkte“, sondern „mal eine Geldeinheit plus mal vier Punkte“ gibt. Natürlich gibt es jeden Aufwerter nur einmal, so dass um die besonders wertvollen ein regelrechter Kampf entfacht wird. Es gibt weiterhin zwei neue Möglichkeiten Gebäude zu werten, was dann auch die Unterteilung dieser Gebäude in Stadt- und Landgebäude erklärt. Durch neue Karten ändern sich von Spiel zu Spiel die Siegesbedingungen sowie die Schlusswertung und so genannte Extra-Karten können hier und da auch noch Punkte liefern.

Nein, ich werde in den nächsten Tagen nicht der neue Mitarbeiter im Hans im Glück-Verlag. Meine Lobeshymnen auf das Spiel rühren daher, dass das Spiel einfach klasse ist. Für mich und meine Mittester gehört es zu den besten Spielen seit langem. Wie bereits geschrieben, ist das Spiel schon in seiner Grundvariante toll. Die Erweiterung macht es definitiv noch einmal taktischer. In Die Paläste von Carrara führen verschiedene Wege zum Ziel. Konzentriert man sich möglichst auf nur einen oder zwei Gebäudetypen, damit man bei deren Wertung absahnt? Versucht man nur solche mit einer hohen Wertigkeit zu errichten, da diese Wertigkeit am Ende auch noch mal Punkte gibt? Sollte man lieber die teuren weißen Steine kaufen, um in der Stadt, welche die meisten Punkte beschert, zu bauen? Die Möglichkeiten sind enorm. Das beste daran ist, dass das Spiel trotz dessen stets leicht zu spielen bleibt. In unseren Testrunden hat sich nicht eine Frage aufgetan. Zugegeben schreckt der etwas stolze Preis für dieses Spiel ein wenig ab. Wer es sich aber zulegt, wird viele schöne und spannende Spielerunden haben. Mit circa einer Stunde reiner Spielzeit kann es dann auch schon mal einen ganzen Abend füllen. Die Paläste von Carrara ist jeden Cent wert.

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